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Spielzeiteröffnung im Jungen Theater Göttingen

„Im Westen nichts Neues“ Spielzeiteröffnung im Jungen Theater Göttingen

„Aufbruch, Umbruch – Wir im Jungen Theater starten durch“, sagt Nico Dietrich. Der neue Intendant des Hauses lässt es mit der ersten Premiere der Spielzeit 2014/15 und unter seiner Regie ordentlich krachen. Bei „Im Westen nichts Neues“ zeichnen sich oft Grauen und Entsetzen über Kriegsgräuel auf den Gesichtern der rund 150 Zuschauer im nahezu ausverkauften Jungen Theater (JT) ab.

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Angriff mit Giftgas: Dem Soldaten (Eva Schröer) ist ohne Gasmaske der Tod sicher.

Quelle: Heise/JT

Göttingen. Das Stück basiert auf dem Antikriegsroman von Erich Maria Remarque. Werk und Dietrichs Inszenierung zeigen Grauenvolles: Paul Bäumer (Ali Berber) ist ein junger Mann, der mit seinen Klassenkameraden in den ersten Weltkrieg zieht. Sein patriotischer Lehrer vermittelte ihm ein falsches Bild vom Krieg.

Schnell muss Bäumer lernen, dass die Realität erbarmungslos, aber nicht heroisch ist. An der Front brechen die Schrecken des Stellungskrieges mit einer unfassbaren Gewalt über die Schüler herein: Giftgasangriffe, Artillerie und andere Waffen lassen den Soldaten im Feld keine Chance – weder körperlich noch psychisch.

Dietrich und Regieassistentin Katharina Binder lassen die Göttinger Geschichte in das Stück einfließen. 1914 befand sich ein Kriegslazarett im Otfried Müller Haus, dem heutigen JT. Das gibt der Aufführung Lokalkolorit und Nähe. Nahe kommen auch Schauspieler und Bühnenausstattung dem Publikum.

Krieg auf Kork

Kork-Späne, die wandlungsfähig eingesetzt werden: vom korrekt aufgeschichteten Korkberg in eine zerklüftete und durcheinander gebrachte Kriegswelt. Die Soldaten verschaffen sich gelegentlich Ablenkungen. Mal durch Kameradschaft, mal durch jugendlichen Leichtsinn.

Um zu französischen Frauen zu gelangen, entkleiden sich die jungen Männer und bahnen sich nur in Unterhosen ihren Weg durch das Publikum, um am anderen Ufer Spaß zu haben. Ablenkung von den Kriegsszenarien auch für die Zuschauer.

Ausgesprochen starke Bilder prägen das Stück. Giftgasangriff: Nebel wabert über die Bühne. Grelles Licht lässt die Soldaten erahnen. Sie suchen Schutz unter Gasmasken. Ein beklemmendes Gefühl. Aber nicht nur das Bühnenbild ist mit dem Einsatz von Kork, Metallbetten – die auch als Schützengraben oder für die Darstellung der Kriegsmaschinerie dienen – und Licht extrem wandelbar und kommt ohne Umbaupause aus. Die Schauspieler selbst schlüpfen in diverse Rollen.

Verfall der Jugend

Karsten Zinser, Eva Schröer, Linda Elsner, Jan Reinartz und Agnes Giese sterben, kommandieren, helfen, verzweifeln, morden, leben, vegetieren, sterben erneut. Dem ist gut zu folgen. Spielarten und Requisiten lassen die Charaktere gut unterscheiden. Einzig Hauptcharakter Bäumer bleibt bestehen und gibt als Protagonist den Verfall der Jugend wider.

Eine umfassende, gelungene Inszenierung, die nur das Romanzitat vermissen lässt: „An einem Tag, der so ruhig und so still war, dass der Heeresbericht sich auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden.“

Von Friedrich Schmidt

Weitere Vorstellungen am  23., 25. September sowie 1., 4., 11., 13., 15., 30. Oktober um 20 Uhr. Kartentelefon: 0551 / 49501-5.
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