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Stadtbibliothek Göttingen: Stille Hunde auf großer Fahrt

„Lange Nacht der Literatur“ Stadtbibliothek Göttingen: Stille Hunde auf großer Fahrt

„Dukaten, Dukaten!“ schreit der Papagei. Der Vogel ist eine Schwarzweißfotokopie an bunten Federn im Käfig, um es lukullisch auszudrücken. So fantasievoll und verrückt geht es zu bei der „Langen Nacht der Literatur“ in der Stadtbibliothek. Bei Kerzenschein präsentiert das Göttinger Schauspielduo „Die Stillen Hunde“ Robert Louis Stevensons Welterfolg „Die Schatzinsel“ in einer szenischen Lesung, die im Erdgeschoss der Stadtbibliothek mit einer kleinen Werkeinführung beginnt und die zahlreichen Zuschauer dann ins Obergeschoss führt. Dort steht die schiffsähnliche Bühne in der Mitte des Raumes, mit weißem Segel zum Ablegen bereit.

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Abenteuerlicher Abend: Stefan Dehler (links) und Christoph Huber präsentieren „Die Schatzinsel“.

Quelle: EF

Göttingen. Der Ich-Erzähler und die Hauptfigur des Klassikers ist der junge Jim Hawkins, der Sohn der Inhaber des Gasthauses „Zum Admiral Benbow“ in der Nähe von Bristol. Er trifft dort auf den alten Seemann und Trunkenbold Bill Bones, der ein Geheimnis in einer Seemannskiste hütet. Mit einem: „Christoph, deine Narbe, bitte“ überreicht Kollege Stefan Dehler Christoph Huber alias Bill Bones ein Gummiband, das eine hübsche Narbe in dessen Gesicht quetscht. Es sind diese Brüche durch Regieanweisungen, Sticheleien oder Kommentare zu aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Themen, das sprichwörtliche „aus der Rolle fallen“, was diese szenische Lesung so amüsant macht und das Publikum in eine mal kichernde, mal in eine „johoho und ne Buddel voll Rum“ grölende Menge verwandelt.

Besonders die ersten Reihen im Publikum bekommen das Abenteuerliche dieser Expedition zu spüren, die Jim Hawkins und die Schiffsmannschaft auf die eine Insel führt, auf der sie einen Schatz zu finden hoffen. Das verheißt eine Karte, die in der Seemannskiste Bones verborgen war. Mit einfachen und wirkungsvollen Mitteln wie diversen Kopfbedeckungen wechseln die  Schauspieler Huber und Dehler zwischen den vielen Rollen, denn der Abenteuerroman bietet eine wahre Spielwiese an männlichen Charakteren, wenn Huber auch als Jims Mutter mit weißem Kaffeedeckchen auf dem Haupt entzückt. Nachdem sich die Schauspieler warmgelaufen haben und sich das Publikum warm gelacht hat, wird zum karibischen Imbiss geladen, zu dem auch winzige, mit Perlen verzierte „Schatzinseln“ des Restaurants Gauß am Theater gehören. Die zweite Hälfte muss dann auf der Handlungsebene noch so einiges abhandeln und gerät etwas langatmig und unübersichtlich. Nach der rund zweieinhalbstündigen gelungen Entstaubung des Jugendbuchklassikers aus dem Jahre 1883 wird wieder angelegt. Welch ein Spaß auf hoher See.

Die nächsten Vorstellungen in der Region: 7. Februar um 20 Uhr in der Stadtbibliothek in Seesen, 20. Februar um 20 Uhr in der Stadtbibliothek in Osterode und am 27. Februar um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek in Duderstadt.

Von Marie Varela

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