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Hinter den Kulissen des Kuquas

Stadtführung Hinter den Kulissen des Kuquas

Beim Stadtführungsfestival „Göttinger Entdeckungstouren“ haben Bürger die Möglichkeit, an Orte in Göttingen zu gelangen, die oftmals nur wenig bekannt sind. Am Montag führten Betty Arndt und ihre Kolleginnen durch das Nikolaiviertel. Das Motto: „Blick hinter die Kulissen des neuen Kunstquartiers“.

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Fundgang furch die Ausstellung im KuQua.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Die Führung begann im Haus Düstere Straße 6, dem Günter-Grass-Archiv, und endete wenige Meter entfernt beim Sitz des Steidl-Verlags. Stadtdenkmalpflegerin Karin Schrader und Stadtarchäologin Betty Arndt erzählten den Teilnehmern des Rundgangs von der bewegten Geschichte des Grass-Hauses, das sich im Besitz des Verlegers Gerhard Steidl befindet und in Zukunft ein integraler Bestandteil des neuen Kunstquartiers (Kuqua) sein soll. Ursprünlich war vorgesehen, das unscheinbare Fachwerkhaus abzureißen, erzählte Schrader. Doch dann ergaben Holzuntersuchungen etwas Erstaunliches: Der Bau datierte im Kern aus dem Jahr 1310 und war damit das älteste Privathaus der Stadt. „Wir waren Herrn Steidl sehr dankbar, dass er das Haus saniert und nicht abgerissen hat“, erklärte Schrader. Das sei nicht selbstverständlich. Nach der Wiedereröffnung des Archivs im Jahr 2018 werden Besucher sich hier nicht nur mit dem literarischen Werk Günter Grass’ auseinandersetzen können, sondern auch mit der Baugeschichte des ältesten Göttinger Wohnhauses.

Der Rundgang führte vorbei an der Kuqua-Baustelle an der Düsteren Straße 7 zum Nikolaikirchhof, wo es in Zukunft einen von mehreren Zugängen zum öffentlich zugänglichen Innenhof des Kuquas geben soll. Über dessen Gestaltung werde in den kommenden Tagen entschieden, erklärte Nina Winter vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Göttingen. Winter führte die Teilnehmer gemeinsam mit Arndt und Schrader weiter durch das Nikolaiviertel. Dieses sei im Mittelalter ein sehr ärmliches Viertel gewesen, sagte Winter. „Jetzt versuchen wir, ein reiches Viertel daraus zu machen.“ Hinter vielen Mauern schlummere großes Potenzial, und so manches sei vielen Göttingern gar nicht bewusst. Winter machte darauf aufmerksam, dass zum Beispiel der bedeutende amerikanische Künstler Jim Dine in einem Haus in der Nikolaistraße ein Atelier habe. „Es sollte also nicht so schwer werden, hier bald Ausstellungen mit überregionaler Bedeutung zu zeigen“, meinte Winter.

Nach einem kurzen Stopp im Bilderrahmenladen Nik 27 ging es weiter in die Turmstraße, die früher aufgrund der ärmlichen Häuser und der hier betriebenen Prostitution Klein-Paris genannt wurde, wie Arndt erklärte. Hier finden sich bis heute noch die Überreste der ersten Stadtmauer, die um 1200 errichtet wurde. Die alten eingeschossigen Gebäude, die früher die Straße prägten, seien alle um 1885 abgerissen worden.

Dieses Schicksal erlitt ebenfalls kürzlich der baufällige Altbau, der an der Ecke Turmstraße und Düstere Straße stand. Auch dieses Grundstück soll bebaut und Teil des Kuquas werden. Zunächst aber werden hier Sonnenblumen angepflanzt, sagte Schrader. Nach einer Stippvisite in der Galerie Ahlers in der Düsteren Straße 21 stand zum Abschluss eine kurze Führung durch den Steidl-Verlag auf dem Programm. Lektor Daniel Frisch führte die Besucher durch den Verlagssitz und zeigte die Arbeitsräume und die Druckerei, wo, wie er sagte, „die Magie entsteht“.

Von Maximilian Zech

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