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Stadtkantorei und GSO führen Beethovens „Missa solemnis“ auf

„Möge es wieder zu Herzen gehen“ Stadtkantorei und GSO führen Beethovens „Missa solemnis“ auf

Mit Beethovens „Missa solemnis“ haben sich Musikfreunde immer etwas schwer getan. Die Distanz ist häufig größer als die Bewunderung: Sicher, dieser Koloss ist ein Spätwerk Beethovens, dem man Respekt zollen sollte, aber mögen muss man es deshalb noch lange nicht.

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Mit grandioser Leistung in der Jacobikirche: die Stadtkantorei und die Göttinger Symphoniker.

Quelle: Heller

Göttingen. Dennoch hat Bernd Eberhardt dieses „verfremdete Hauptwerk“, wie es Adorno genannt hat, seiner Stadtkantorei zugemutet. Am Sonntag präsentierte er die Missa als Gastspiel in der voll besetzten Jacobikirche – die Johanniskirche ist noch wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Neben den Choristen der Stadtkantorei waren das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) und die Gesangssolisten Stephanie Henke, Klaudia Zeiner, Clemens C. Löschmann und Andreas Scheibner zu hören.

Eberhardt ist ein bekennender Beethoven-Fan und, mehr noch, ein Musiker, der den Intentionen Beethovens genau nachspürt. „Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen“, hat Beethoven im Manuskript dieser Messe notiert. Eben dies hat Eberhardt befolgt, indem er die vielfältigen Ausdrucksqualitäten dieser Musik, ihren Reichtum an Emotionen ausbreitete.

Da gibt es hell strahlenden, ekstatischen Jubel im „Gloria“ ebenso wie das geradezu verzweifelte Flehen um Erbarmen in den „Miserere“-Rufen, furios kriegerische Klänge mitten in der Bitte um Frieden im „Dona nobis pacem“ oder die Glaubensgewissheit in der „Et vitam venturi saeculi“-Fuge, deren Kontrapunktik Beethoven geradezu gnadenlos konsequent aufschichtet. Im Kontrast dazu steht das dunkle Glühen des „Agnus Dei“-Satzes mit seiner überwältigenden Ausdruckstiefe.

Auf sehr hohem Niveau ausgewogen besetzt

Das alles ist eine gewaltige Herausforderung für die Choristen wie für die Solisten, denen Beethoven unbarmherzig anstrengende Spitzentöne zumutet, schwierige Einsätze, rasch bewegte Passagen, die nur dann nach Jubel klingen, wenn sie perfekt beherrscht sind. Die Sängerinnen und Sänger der Stadtkantorei hatte Eberhardt gründlich darauf vorbereitet – es war dies die zweite Aufführung der „Missa“ nach dem Konzert gemeinsam mit dem Cheltenham Bach Choir Anfang November in Göttingens englischer Partnerstadt. Für ihre grandiose Leistung verdienen die Choristen höchste Anerkennung von den kraftvoll und kultiviert gesungenen hohen Lagen des Soprans bis hin zum profunden Bass samt den beweglichen Mittelstimmen, die allesamt auch mit einer ausgesprochen präzisen Artikulation glänzten.

Das Solistenquartett war auf sehr hohem Niveau ausgewogen besetzt. Stephanie Henke besitzt einen strahlenden, ungemein beweglichen Sopran, dem Klaudia Zeiner ihren warm und dunkel timbrierten Mezzosopran entgegensetzt. Mühelose Höhen kennzeichnen den hellen Tenor von Clemens C. Löschmann, kraftvolle Tiefe, die sich souverän gegen das Tutti durchzusetzen vermag, den wundervollen Bass von Andreas Scheibner.

Das GSO folgte der begeisternd dynamischen Zeichengebung Bernd Eberhardts am Dirigentenpult mit großer Konzentration und temperamentvollem Einsatz. Das ausgedehnte Violinsolo im „Benedictus“ gestaltete Wojtek Bolimowski mit Bravour und großer Expressivität. Der lang anhaltende, lautstarke Beifall der begeisterten Zuhörer – für den Chorsopran gab es eine verdiente Extraportion – bewies, dass diese Aufführung tatsächlich zu Herzen gegangen war.

Von Michael Schäfer

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