Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Stand-up-Comedy: Alain Frei mit „Neutral war gestern“ im Göttinger Apex

Stand-up-Comedy: Alain Frei mit „Neutral war gestern“ im Göttinger Apex

Berge, Kühe, Uli Hoeneß. Zur benachbarten Eidgenossenschaft fallen einem einige Klischees ein, doch es geht auch anders. Der Schweizer Stand-up-Comedian Alain Frei war mit seinem Programm „Neutral war gestern“ im Göttinger Apex zu Gast.

Voriger Artikel
Konzert zum Gedenken an Pastor Ernst Arfken in St. Jacobi Göttingen
Nächster Artikel
Lesung mit Bodrožić in Göttingen

Erzählt Geschichten aus seinem Leben: Comedian Alain Frei.

Quelle: EF

Göttingen. Gut 30 Zuschauer sind gekommen, und die erste Reihe gähnt leer vor sich hin. Der Wahl-Kölner macht das Beste daraus, frotzelt sich erst einmal in den Auftritt hinein und plaudert mit den Zuschauern. Jens und Olga trifft das Los, gelassen übernehmen sie den Sidekick-Part. Frei fordert alle Zuschauer auf, sich dem rechten Sitznachbarn zuzuwenden und diesen freundlich zu begrüßen. Protest regt sich, dass das technisch gar nicht gehe. „Göttingen“ ist in Diskutierlaune und die Stand-up-Nummer gelaufen.

Ein Rabbi-und-Pfarrer-Witz folgt und Frei meldet erste Zweifel an, ob er überhaupt ernst genommen werde. In der Tat: Die Ehefrau von Zuschauer Jens erhält mehr Applaus für ihre Schwangerschaft als der Mann auf der Bühne.
Frei erzählt Geschichten aus seinem Leben. Von Bühnenauftritten, seiner Familie und Freunden. Von seiner Mutter, die ihn zum ewigen Kind degradiert, von brüderlichem Neid beim Kekse-Essen und den Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Männern und Frauen. Die Erkenntnis: Frauen denken immer und überall, Männer sind schlicht gestrickt.

Frei sinniert über Rassismus in Facebook-Kommentaren, den Umgang mit Gehandicapten, über seinen Vornamen, der falsch ausgesprochen als „Allah“ für Verwicklungen sorgt und seine mangelnden Französisch-Sprachkenntnisse. Allerdings hat er nicht mit einer Zuschauerin gerechnet, die prompt die Übersetzung eines exotischen Satzes mit dem Wort „Eichhörnchen“ dazwischenruft. Frei hat es nicht leicht.

Nach der Pause beantwortet der Comedian Fragen der Zuschauer zur Schweiz, die sie auf Zetteln abgegeben haben. Zu lachen gibt es dabei allerdings nichts. Noch ein kurzer Exkurs zum verhaltensauffälligen Mops des Bruders, und dann geht es auf die Zielgerade. Es gibt eine Nacherzählung des Wilhelm Tell, und Zuschauer Jens macht dazu die Geräusche, allerdings so zaghaft und unfreiwillig komisch, dass viele Lacher auf das Konto des Sekundanten gehen.

Vielfach preisgekrönt, unter anderem mit dem 1. Platz beim NDR-Comedy-Contest 2015, ist Frei dennoch wenig überzeugend. Der Umgang mit den Zuschauern ist ruppig, die Themendichte erstaunlich dünn, und für viele Pointen haben die Zuschauer selbst gesorgt. Das Publikum lacht und applaudiert kräftig. Worüber bleibt unklar. Aber Frei hatte ja um tosenden Beifall gebeten. Neutral betrachtet wäre mehr Substanz wünschenswert gewesen.

Von Karola Hoffmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff