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Standing Ovations für „Die drei Musketiere“

Bad Gandersheimer Domfestspiele Standing Ovations für „Die drei Musketiere“

Degen klirren, mutige Kämpfer verhelfen der guten Sache zum gerechten Sieg: Bei den Domfestspielen hatte am Freitag das Musical „Die drei Musketiere“ Premiere. Ein glanzvoller Sieg an einem zauberhaft trockenen Abend für D’Artagnan und seine Kumpanen, gefeiert mit Standing Ovations.

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Athos (Udo Eickelmann, links), Porthos (Mario Gremlich, zweiter von links), D’Artagnan (Merlin Fargel, Mitte) und Aramis (Veit Schäfermeier, rechts) halten Rochefort (Thorin Kuhn) in Schach.

Quelle: Hillebrecht

Bad Gandersheim. Kati Kolb hat sich in ihrem Bühnenbild auf zwei Podeste vor dem Domportal beschränkt. Das reicht vollauf. Mit Auftritten auf einer schrägen Rampe mitten durch das Publikum kommen die Zuschauer fast in Tuchfühlung mit den Darstellern. Das macht Spaß.

Heiko Lippmann als musikalischer Leiter trägt viel zum Erfolg dieser Inszenierung bei. Mit großer Präzision dirigiert er vom Keyboard aus die neunköpfige Festspiel-Band und überrascht durch enorme dynamische Bandbreite: Hier gibt es auch geradezu geflüsterte Pianissimo-Passagen, druckvolles Forte setzt er nur in Höhepunkten ein, nicht etwa als wummernden Selbstzweck. Drum müssen die Darsteller auch nicht brüllen oder sich einer gnadenlos verstärkenden Tonanlage anvertrauen, sondern können ökonomisch mit ihrem Stimmmaterial umgehen. Das ist selten in diesem Geschäft.

Lippmann und Regisseur Craig Simmons sind ein bewährtes Gespann bei den Domfestspielen. Zuletzt haben sie dort 2013 „Cabaret“ herausgebracht. Für die „Drei Musketiere“ gab es eine besondere Unterstützung: Christian Ewald, von 1989 bis 1996 Ensemblemitglied im Deutsche Theater Göttingen, ein Spezialist für Fechtchoreographie. Er sorgt perfekt für eine wieselflinke, hochpräzise Degenführung auf der Bühne vor dem Dom.

Merlin Fargel bringt für den Helden D’Artagnan nicht nur siegesgewisse Gewandtheit und ein strahlendes Lächeln mit, sondern auch eindrucksvolles Stimmpotenzial. Das gilt ebenso für seine drei Mit-Musketiere Udo Eickelmann (Athos), Veit Schäfermeier (Aramis) und Porthos (Mario Gremlich). Sie alle können den Degen führen und geben den Figuren klare Umrisse.

Viel Bühnenpräsenz und große Musikalität besitzt Franziska Becker als Milady de Winter. Gegen sie wirkt Ron Holzschuh (Kardinal Richelieu) etwas blasser, auch wenn er die skrupellose Machtgier des Kirchenmannes eindrucksvoll darstellt. Franziska Schuster ist eine wunderbar anmutige Constance. Maike Switzer (Königin Anna) und Fehmi Göklü (König Ludwig) geben das französische Herrscherpaar vor allem menschlich, weniger majestätisch. Die Volksmengen – von Marc Bollmeyer lebendig choreographiert – spielt ein elfköpfiges Statisten-Ensemble, unter dem man auch mal König Ludwig, Lord Buckingham oder Rochefort entdeckt, wenn sie gerade nicht ihre Rolle zu spielen haben.

Diese „Drei Musketiere“ sind gut zwei Stunden prächtige Unterhaltung auf musikalisch hohem Niveau. Respekt.

Das Stück:

Die niederländischen Musicalautoren Rob und Ferdi Bolland folgen in ihrem 2003 in Rotterdam uraufgeführten Stück ziemlich genau dem Roman von Alexandre Dumas. Die vielfach verfilmte Geschichte spielt auf dem historischen Hintergrund des Machtkampfs zwischen Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu im 17. Jahrhundert. Bollands Musik ist frisch, angemessen gefühlvoll, sie funktioniert bestens auch ohne hitverdächtige Nummern zum Nachpfeifen.

Termine:

Am 28. und 30. Juni sowie 2., 3., 5., 7., 9., 12., 20., 21. und 24. Juli um 20 Uhr, am 10. und 17. Juli um 15 Uhr. Karten unter Telefon 0 53 82 / 7 37 77 sowie unter reservix.de.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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