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Steffen Roll spielt das Ein-Personenstück „Helden wie wir“

Premiere im Jungen Theater Steffen Roll spielt das Ein-Personenstück „Helden wie wir“

„Wenn Sie ein Feuerzeug dabeihaben, dann benutzen Sie es. Es ist der richtige Augenblick dafür“, sagt Steffen Roll. Dann tönt Musik aus den Lautsprechern im Jungen Theater: „Wind of change“ von den Scorpions – ein Song, der wie kein zweiter mit der neueren Geschichte der Bundesrepublik verbunden ist.

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Gast im JT: Steffen Roll.

Quelle: Heise

Göttingen.  Feuerzeuge werden im Publikum verteilt, die Zuschauer schwenken sie. Die DDR ist untergegangen. Vor 25 Jahren. Erinnerungen werden wach. Die meisten kennen die Bilder. Einige waren vielleicht dabei.

Roll war dabei. In Westberlin, aber das war ein schwieriger Weg. Er spielt in dem Ein-Personen-Stück „Helden wie wir – Zwei Fluchten aus Berlin-Lichtenberg“ Klaus Uhltzscht und sich selbst. Das semidokumentarische Stück basiert zum einen auf einem Bestseller von Thomas Brussig, zum anderen auf der Fluchtgeschichte des Schauspielers. Intendant Nico Dietrich führte Regie. Bei der Premiere bleiben nur wenige Plätze frei.

„Ich wars. Ich hab die Mauer umgeschmissen. Die Geschichte des Mauerfalls ist meine Geschichte“, sagt Uhltzscht. Er ist Stasi-Offizier. Nicht so sehr aus Überzeugung, sondern weil schon der Vater bei der Stasi war. Und weil die Arbeit bedeutet, auf der richtigen Seite zu stehen.

Das Stück bewahrt die bittere Komik des Brussig-Romans auf gelungene Weise. „War ich jetzt bei der echten, sagenumwobenen Stasi, oder nur bei einem Verein, der sich Stasi nannte?“, fragt Berufsanfänger Uhltzscht, dessen erste Arbeitsanweisung lautet, immer für ausreichend Salzstangen zu sorgen.

„Das ist nicht zum Lachen!“

Eine andere Art von Komik liegt auch in der Geschichte des Schauspielers. Seine Familie floh 1989 in die Prager Botschaft und lebte dort mit neun Menschen auf 15 Quadratmetern. Roll erzählt locker von zum Teil erschreckenden Lebenszuständen: „Übrigens, die Kaugummis waren das beste an der Bundeswehrverpflegung.“ Es ist keine Betroffenheitsgeschichte, sondern eine mit Galgenhumor. Von Ostberlin über Prag und Westdeutschland schafft es die Familie nach Westberlin. „Mit der S-Bahn wären wir schneller gewesen“, sagt Roll.

Uhltzscht lacht, als er das Ergebnis seines ersten Observierungsprotokolls betrachtet. Lauter Abkürzungen. Dann greift Roll ein: „Das ist nicht zum Lachen!“ Gerade hier zeigt sich die Stärke des Stückes. Wirklichkeit und Fiktion treten in Austausch miteinander. Roll reagiert, kommentiert und ärgert sich über den Mann von der Stasi. Wahrheit und Ausgedachtes stehen sich unmittelbar gegenüber und nehmen aufeinander Bezug. Ein lohnender Theaterabend.

Von Daniela Lottmann

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Schelmenstück: die zwei Toms (Moritz Schulze, hinten links, und Florian Eppinger, hinten rechts) schauen den stummen Zwillingen (Elias Heintz, Vera Eppinger), Pit Harper (Laurenz Wittmer), Ben Rogers (Lynn Ebert) und Amy Lawrence (Yanthe Glienke) (v. l.) beim Zaunstreichen zu.

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