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Rockige Hommage nah am Original

Sticky Fingers im „Exil“ Rockige Hommage nah am Original

Welcher Rockmusik-Fan kennt es nicht, das Album der Rolling Stones mit dem Reißverschluss? Die „Sticky Fingers“ haben sich nach eben diesem Album benannt. Am Sonnabend hat die Tribute-Band im Göttinger Live-Musik-Club Exil gespielt. Das Publikum war begeistert.

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Quelle: Peter Heller

Göttingen. Als eine der ersten Tribute-Bands in Deutschland präsentierten sich die Sticky Fingers aus Köln/Bonn bereits Ende der 1970er-Jahre mit einer Rock-Show, die durch die bewegten Stationen der Stones-Historie führte. Rhythm and Blues, Revoluzzer und Hippies, Aufbegehren gegen Konventionen: Die Mitglieder der Band konnten selbst noch ein Gefühl dafür entwickeln, was Musik und Gesellschaft damals prägte.

Die zweistündigen Auftritte der Sticky Fingers sind jedes Mal wieder eine Hommage an die Stones in ihren besten Zeiten. So gilt die erste Verneigung des Konzerts konsequenterweise Chuck Berry. Der erst im März verstorbene Pionier des Rock᾽n᾽Roll hatte einst auch wichtige Impulse für die Beatmusik gegeben. Mit einem druckvollen „Sweet little sixteen“ startet die Band in den Abend.

Und gleich darauf gibt es einen Titel von dem nur drei Monate zuvor veröffentlichten Album Blue & Lonesome, das die Stones im Dezember 2016 herausbrachten. Aber dann geht es zeitlich und musikalisch weit zurück. Wobei es bei den Sticky Fingers auch um die Show geht.

Ihren „Mick“ haben die Sticky Fingers seit mehr als 30 Jahren in ihrem Frontmann Günther Grothaus, und ihr „Keith“ Volker Hovestadt hat die Band 1978 mitgegründet. Dass beide in ihrer äußeren Erscheinung unübersehbare Ähnlichkeiten mit den Musikergrößen der Stones haben, unterstreicht ihre beabsichtigte Nähe zum Original. „Wir repräsentieren eine bestimmte Ursprungsband“, hat es Grothaus mal in einem Interview beschrieben. Und so bewegen sich die Musiker nah an ihren Vorbildern, wie es ihr Anspruch als Tribute-Band ist.

Grothaus nimmt die etwa 40 bis 50 Konzertbesucher mit durch die Zeit, moderiert die Stücke an und erklärt auch kurz interessante Einzelheiten, sodass auch nicht eingeschworene Stones-Fans auf ihre Kosten kommen. Ansonsten ist der Sänger kaum zu bremsen. Tanzt energiegeladen wie ein Derwisch und immer wieder mit dem flach aufgeklopften Fuß – wie man es von Jagger kennt – über die Bühne, gibt den Songs das gewisse rockige und rotzige Etwas, wispert und peitscht ein. Mimik, Bewegungen, Intonation, alles ist reichlich authentisch. Ob es dabei auch immer wieder das zum Leibchen hochgeschobene Top braucht, fällt doch eher in die Kategorie Geschmackssache.

Die Instrumentalisten – Volker Hovestadt (Gitarre, Gesang), Dirk Eckel (Gitarre), Michael Draebing (Bass) und Wolfgang Pitzen (Schlagzeug) – sind allesamt gestandene Musiker und als solche bereiten sie ihrem Frontmann den druckvollen Rahmen. In prägnanten Sequenzen und Solo-Parts spielen sie sich dann auch immer wieder präsent auf den Punkt ins Ohr. Von "Brown Sugar" über "The last time" bis "Honky Tonk Woman", von den großen Hits vor allem der 1960er- und 1970er-Jahre bis zu weniger bekannten Stücken reißen die Sticky Fingers ihr Publikum zunehmend mehr mit. Dazu kommt, dass im „Exil“ nahezu jeder Platz ein Logenplatz mit Blick auf die Bühne ist.

Aggressive Rocknummern, starke Balladen, alte R&B-Titel, Country-Sound und Mega-Hits. Die Band spielt Live-Fassungen, die sich durchaus von bekannten Studio-Versionen unterscheiden können, erklärt Grothaus. Erst nach zwei hartnäckig geforderten Zugaben und zweistündigem Konzert lassen die begeisterten Konzertbesucher die Sticky Fingers von der Bühne. Ganz nach dem Motto: It᾽s only Rock᾽n᾽Roll, but we like it.

Von Karola Hoffmann

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