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Stilbruch im Stilbrvch Göttingen

Plattenladen-Geburtstag Stilbruch im Stilbrvch Göttingen

Andere gönnen sich zum Geburtstag einen Alleinunterhalter. Das Vinyl-Reservat leistet sich ein Festival. Am Sonnabend wurde im Stilbrvch gefeiert - und musikalisch hatte das, was Eddie Kold Band, Coogans Bluff und Nada Brahma boten, so gar nichts mit dem üblichen Repertoire von Alleinunterhaltern zu tun.

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Quelle: Eckermann

Göttingen. Es ist zwei Uhr am Sonntagmorgen, als das Klacken eines Feuerzeugs den Beginn des letzten Konzerts ankündigt. Nada Brahma, eine noch junge Band aus Göttingen, beschließt den Abend im Stilbrvch mit verzerrter Orgel, effektbeladener Gitarre, Schlagzeug, Klangschale - und Räucherstäbchen.

Ihr Sound bewegt sich zwischen Ritual und Metal, Psychedelic und Industrial. Das Schlagzeug funktioniert wie eine Drum Machine, als Taktgeber für jaulende, schreiende, rüttelnde und zuckende Gitarrenklänge, die dank des verschwenderischen Einsatzes von Effekten eher einen Klangteppich denn Melodie oder Riff bilden. Weder die Orgel, die altargleich unter einem schwarzen Tuch verhüllt bleibt, noch Gesang oder andere Instrumente geben ein Thema vor, sodass allein repetitive Soundschemen entstehen, die in ihrer Gesamtheit einen anfangs- und endlosen Klangstrudel ergeben. Dass die Band dabei nur zwei Stücke vorbereitet hatte - mehr Material existiert nach drei Monaten Bandgeschichte noch nicht - und der Rest des Konzertes improvisiert war, tat dabei keineswegs weh.

Nada Brahma bildeten den melancholischen, meditativen Abschluss eines Mini-Festivals, das zunächst ganz anders begonnen hatte. Die Eddie Kold Band bot lupenreinen Blues, ein wenig Jazz und dazu, dank eines charismatischen Frontmannes, eine mitreißende Show. Eigentlicher Headliner des Abends waren eindeutig Coogans Bluff. Ihr Name sollte sich in jedem guten Mucker-Lexikon unter dem Eintrag "Live-Knaller" befinden. Jeder der Musiker des Quintetts bringt so überzeugende Solo-Qualitäten mit, dass die ellenlangen Instrumentalpassagen in den mal eingängigen, mal komplexen, mal psychedelischen, mal funkigen, mal souligen und mal rockigen Stücken immer wieder überraschen.

Als würde die Nadel des Plattenspielers blitzschnell von einem Stück zum anderen und wieder zurück versetzt erscheint es an einigen Stellen. Dass bei der dadurch entstehenden Komplexität der Stücke ein sensationelles Timing und Zusammenspiel eingehalten wird, erstaunt dabei ebenso wie die offensichtliche Spielfreude der Musiker. Eines der Highlights dabei ist ein minutenlanges Gitarrensolo, dass der dauerheadbangende Gitarrist klingen lässt, in dem er sein Instrument mit einer Bierflasche sanft jammern und ekstatisch kreischen lässt.

Ein abwechslungsreicher, spannungsgeladener Abend. Viel besser als mit Alleinunterhalter.

©Eckermann

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