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Studierende der Musikhochschule Hannover interpretieren Skrjabin im Clavier-Salon

Angenehm wenig Chopin Studierende der Musikhochschule Hannover interpretieren Skrjabin im Clavier-Salon

Vor 100 Jahren ist Alexander Nikolajewitsch Skrjabin gestorben. Grund genug, um mit einem Konzert den herausragenden Komponisten zu würdigen. Studierende der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover haben sich im Clavier-Salon auf die Spuren des russischen Meisters begeben.

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Alexander Skrjabin

Quelle: EF

Göttingen. Wer Skrjabin sagt, muss auch Chopin sagen. So scheint zumindest das Credo vieler Musikwissenschaftler und Journalisten zu lauten. Tatsächlich gibt es viele Gemeinsamkeiten und Überschneidungen zwischen den beiden Komponisten, aber die Zuweisungswut hinterlässt Opfer. Dann nämlich, wenn der Komponist Skrjabin vor lauter hochgelobter Chopinverwandschaft nur noch als billiger Abklatsch desselben daherkommt. Skrjabin ist aber mehr als das. Ähnlich überragend, ähnlich genial, aber auch sehr viel wahnsinniger als sein Vorbild.

Unter Beweis stellten das sieben junge Musiker bei einem Klavierabend zum 100. Todestag des russischen Komponisten. Im Clavier-Salon spielten die Studierenden der Klavierklasse von Gerrit Zitterbart Stücke aus unterschiedlichen Lebensabschnitten des Pianisten. Dazu wurden Texte zur Biographie gelesen und Zitate von Wegbegleitern, Philosophen der Zeit oder Skrjabin selbst vorgetragen. Der Saal war gut gefüllt.

Skrjabin schrieb Werke zwischen Extremen. So wählte Kaja Nieland mit der Prélude H-Dur op. 11,11 für ihren Auftritt ein sehr elegantes Stück. Entstanden sind die meisten Werke aus Skrjabins 24-teiligem Zyklus, zu dem diese Prélude gehört, vor allem auf Erholungs- und Konzertreisen. Pianistin Nieland ließ mit ihrem Spiel eine ausgeruhte Stimmung nachvollziehen.

Dagegen setzte Milda Juciute die Etüde op. 42,5, die bedrohlich, fast aggressiv klingt. Juciute spielte dieses schnelle Stück mit Verve, nickte manchmal, schüttelt aber auch den Kopf. Am Ende schien sie nicht zufrieden mit ihrer Leistung zu sein, verschwand schnell und rollte beim Abgang mit den Augen. Doch der anhaltende Applaus zwang sie nochmal auf die Bühne, und als im Saal Bravo gerufen wurde, ließ sich sogar ein kleines Lächeln in ihrem Mundwinkel erahnen.

Die Auswahl der Stücke gab einen guten Rundumblick auf das Werk Skrjabins, das ausschließlich aus Klavierstücken besteht. Durch die Texte zur Lebensgeschichte wird die Musik in einen Kontext gesetzt, wodurch sich einige Werke leichter erschließen lassen. Ob diese Texte allerdings von dem Internetlexikon Wikipedia stammen sollten, scheint zumindest fragwürdig.

Als gelungen darf man den Abend aber allemal beschreiben. Die Studierenden schafften es vielfach, Skrjabins Spiel mit der Ästhetik und dem Aufstellen der Nackenhaare zu demonstrieren, grazile Harmonie und plakative Dissonanz in ein Gleichgewicht zu bringen, so dass unter ihren Händen eine spannungsreiche Großform entstand. Eine meisterlicher Abend, mit angenehm wenig Chopin.

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