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Suche als Anfang von Kunst

Ausstellung „Cluster“ von Viktoria Binschtok Suche als Anfang von Kunst

Der Mensch sucht. Im Alltag ist es vielleicht der Schlüssel, die Fernbedienung oder der Impfpass, nach denen wir immer wieder suchen müssen. Aber der Mensch sucht noch mehr. Vielleicht das Glück. Oder Gott. Oder einfach nur ein Rezept, wie man eine anständige Erbsensuppe kocht.

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Künstlerin mit Kuratorin: Viktoria Binschtok (links) und Kordula Fritze-Srbic.

Quelle: Heller

Göttingen. Für die in Russland geborene und in Berlin lebende Künstlerin Viktoria Binschtok ist das Suchen der Anfang von Kunst. Allerdings sucht sie nicht selbst. Sie lässt eine Maschine suchen. In ihrer Ausstellung „Cluster“, die der Kunstverein Göttingen zurzeit im Künstlerhaus zeigt, arrangiert sie Bilderpaare, die eine Bildersuchmaschine im Internet gefunden hat. Dazu speist sie eigene Fotografien in das Online-Tool, das innerhalb von Sekunden eine Liste ähnlicher Bilder anzeigt. Ursprünglich sei das ein Werkzeug, um Bildrechte im Netz zu recherchieren, erzählt die Künstlerin.

Ein Mittel, um rechtliche Fragen zu klären also, weit weg von jedwedem künstlerischen Anspruch. Und genau hier liegt die Faszination, die von Binschtoks Bildergruppen ausgehen. Dass sie von der Suchmaschine zueinander in Bezug gesetzt wurden, basiert ausschließlich auf logischen Grundsätzen – einem Algorithmus, letztlich einem mathematischen Verfahren. Sie ähneln sich in Farbe, Struktur und Komposition, nicht aber in der Bedeutung. So vereinen sich harmonisches Zusammenspiel und krachende Dissonanz zu einem spannenden Konglomerat.

Etwa bei dem „Grey Cluster“, das aus drei Fotografien besteht. Sie zeigen einen Schmetterling und ein architektonisches Detail, was nach einer Art Balkon aussieht. Daraus lässt sich nur wenig Bedeutungsvolles ablesen: ästhetisch, aber banal. Erst mit dem dritten Bild füllt Binschtok dem Arrangement eine semantische Signifikanz hinzu – sie vervollständigt das Cluster mit dem  Bild eines Soldaten im Schützengraben. So kollidiert Trivialität mit ausschweifendem Narrativ, bildnerische Floskel mit Wissen und Wertung über Krieg, Grausamkeit und Geschichte.

Die Cluster-Serie ist Kunst mit offenem Ende. Als Betrachter ist man versucht, ständig Bezüge zwischen den Bildern herzustellen. Da ist sie wieder, die Suche. Diesmal nach dem Sinn. Dabei macht die Künstlerin selbst sich völlig davon frei, und antwortet auf die Frage, wie sie bei ihrer Arbeit vorgeht: „Es war einfach Neugier. Ich wollte einfach gucken, was passiert“.

„Cluster“ von Viktoria Binschtok ist bis Sonntag, 22. Februar, im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, zu sehen. Die Ausstellung ist dienstags bis freitags, von 14 bis 18 Uhr, und an den Wochenenden von 11 bis 17 Uhr, geöffnet.

Von Daniela Lottmann

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