Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Suzanne von Borsody präsentiert Frida Kahlo

Literarisch- musikalisches Porträt Suzanne von Borsody präsentiert Frida Kahlo

Es war kein leichtes Leben, das die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907-1954) führte. Dass sie des Lebens trotz aller Schicksalsschläge nie überdrüssig wurde, haben am Sonntagabend im Deutschen Theater Suzanne von Borsody und das Trio Azul eindrucksvoll in einem literarisch-musikalischen Porträt gezeigt.

Voriger Artikel
Jupiter Jones beim Erlebnis Turnfest
Nächster Artikel
Erinnerung an Götz George

Suzanne von Borsody liest die Texte Kahlos in chronologischer Reihenfolge mit ihrer beeindruckend starken Stimme.

Quelle: PH

Göttingen. War es Zufall oder nicht, dass Borsody – ganz im Stil Kahlos mit Blumen im Haar und viel Schmuck behängt – die Farben der deutschen Flagge trug? Auf jeden Fall gelang ihr damit ein gelungener Brückenschlag zwischen Sport und Kultur, denn gerade hatte die deutsche Nationalmannschaft 3:0 gegen die Slowakei gewonnen.

Ihre Kunst „ist wie eine bunte Schleife um eine Bombe“, zitiert Borsody den Kunstkritiker André Breton. Treffender ist sie wohl kaum zu beschreiben. Kahlos Bilder schockierten die Zeitgenossen in ihrer offenen und schonungslosen Thematisierung zutiefst weiblicher Erfahrungen und Schmerz. Wer kennt sie nicht, die Selbstporträts, die Kahlos von einem Unfall versehrten und mehrt als 30 mal vergebens operierten Körper zeigen? Sie hat ihre Biographie gemalt, die Malerei sei ihre „Nabelschnur zum Leben“ gewesen, so sie selbst, als sie, eingezwängt in einem Gipskorsett, jahrelang bettlägerig war.

Ähnlich intensiv, kraftvoll, aber  im Gegensatz zu ihren bildenden Werken oft  zudem lustig, sind ihre Briefe und Tagebucheinträge.  Auch ihre Widersprüchlichkeit zeichnet sich dort stark ab. Ist sie eigentlich eine für ihre Zeit emanzipierte und eigenständig  denkende Frau, macht sie sich in der Beziehung zu dem mehr als 20 Jahre älteren Maler Diego Rivera, den sie 1929 zum ersten Mal und 1940 zum zweiten Mal heiratete, extrem abhängig und bettelte den notorischen Fremdgeher, der sie sogar mit ihrer eigenen Schwester betrügt, um seine Gunst und Liebe an.

Borsody liest die Texte Kahlos in chronologischer Reihenfolge mit ihrer beeindruckend starken Stimme, begleitet von den melancholischen, samtenen Klängen des Trios Azul (Anibal Civilotti, Gitarre und Gesang, Omar Plasencia, Percussion und Kurt Holzkämper, Kontrabass). Mögen die Texte auch emotional und dramatisch sein, so wirkt doch ihre Interpretation an eigenen Stellen allzu theatralisch und angesichts der schon durch die gezeigten Fotos, Bilder und Musik erzielten Wirkung unnötig. Das Publikum im ausverkauften Haus applaudiert dennoch begeistert minutenlang.

Von Marie Varela

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff