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„Sven ist die Schweiz als Mensch“

Literaturherbst „Sven ist die Schweiz als Mensch“

Juli Zeh hat ihr neues Buch „Nullzeit“ genannt, ein Begriff aus der Tauchersprache. Nullzeit bezeichnet die Spanne, die man unter Wasser bleiben kann, ohne beim Auftauchen langwierige Pausen einlegen zu müssen.

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Outet sich als Freundin der Räume im Deutschen Theater: Juli Zeh.

Quelle: Vetter

Das klingt nach viel Metaphorik, so vermutete es auch Moderatorin Sabrina Wagner bei Zehs Gesprächslesung am Sonntagabend im Deutschen Theater (DT) Göttingen.

Doch die Autorin verneinte: „Das bedeutet nichts.“ Nicht die einzige Unklarheit die Zeh an diesem Abend vergnügt und aufgeräumt beseitigte.

Sie habe mit „Nullzeit“ ihren ersten Thriller geschrieben, erklärte Zeh, die die germanistische und feuilletonistische Abneigung gegen das Genre nicht versteht: „Ich mag Thriller.“ Der Plot dreht sich um drei Menschen, die auf Lanzarote aufeinander treffen. Da ist Sven, ein studierter Jurist, dessen erstes Staatsexamen ihn kuriert. Er wandert aus, gründet eine Tauchschule und betrachtet Deutschlands fortan als Feindesland.  Sein Lebensmotto: Raushalten. „Sven ist die Schweiz als Mensch“, sagte Zeh, „unbegrenzte Neutralität“.

Jolante, eine junge Seriendarstellerin, will sich bei Sven auf eine Filmrolle als Meeresbiologin vorbereiten. Mit ihr und ihrem zwölf Jahre älteren Lebensgefährten Theo, einem Schriftsteller mit Schreibhemmung, drängt sich Mord und Totschlag in Svens Leben. Vielleicht. Denn klar wird das bis zum Ende nicht.

Sven sei für sie Stellvertreter der aktuellen Generation, die sich aus Überforderung, nicht aus Politikverdrossenheit aus allem heraushalte, erläutert Zeh, die sich selbst bei jeder sich bietenden Gelegenheit einmischt. „Ich kann die Klappe nicht halten.“ Für den Thriller habe sie sich vorgenommen: „Nur Hauptsätze, keine Adjektive, keine Metaphern.“ Leicht zu schreiben sei es gewesen, „weil ich selbst nicht schwierig war“. Das wolle sie beim nächsten Projekt wieder ändern.

Weitere jetzt geklärte Fragen: Dass sie stets ausdrücklich betone, sie schreibe nicht autobiographisch, habe auch juristische Gründe, erklärte die promovierte Juristin. Und: Das DT zählt zu ihren beliebtesten Veranstaltungsorten bundesweit.
Juli Zeh: „Nullzeit“. Schöffling & Co., 256 Seiten, 19,95 Euro.

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