Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Swing-Feeling mit hoher sanglicher Präzision

Sextett „Sway‘n Swing“ gastiert im Göttinger Apex Swing-Feeling mit hoher sanglicher Präzision

What Is This Thing Called Love?“ – das ist, so muss man ehrlicherweise zugeben, eigentlich eine berechtigte Frage. Das Sextett „Sway ‘n Swing“ war im Göttinger Apex zu Gast, um sie in ihrem gleichnamigen Programm zu beantworten.

Voriger Artikel
Klubszenen mit viel Glitzer und Glamour
Nächster Artikel
Schlichte Charaktere in klischeehafter Story

Überzeugende Sangesleistung und sympathische Moderation. „Sway‘n Swing“.

Quelle: Pförtner

Die Formation, die aus einer Rhythmusgruppe und drei Sängerinnen besteht, konzentriert sich vornehmlich auf Swingstandards und interpretiert also all jene Musik, die im Jazz vor dem Einsetzen der Bebop-Ära en vogue war und auch nach dem zweiten Weltkrieg noch von zahlreichen Musikern bis heute weitergeführt wird.

Wer bei den drei Damen daher an die Andrew Sisters denkt, liegt also schon goldrichtig. Doris Heidenreich (Sopran), Dagmar Schulz (Mezzosopran) und Kerstin Herbold-Plaisir (Alt) setzen auf eine musikalisch traditionelle Interpretation von Klassikern wie „Ain‘t misbehavin‘“, „Fly me to the moon“ oder „Bei mir bist du schoen“, was auch heute immer noch gut klingt.

Der Reiz ihrer Musik geht neben dem swing-Feeling vor allem von den dreistimmigen Sätzen aus, die immer wieder in heterophoner Bewegung Dreiklänge formen oder einzelne Melodielinien einer Sängerin kontrapunktieren. Es wird gerne übersehen, dass die saubere Darbietung dieser für den vokalen Swing typischen Merkmale ihren Interpreten einiges abverlangt, erfordern sie nämlich ein hohes Maß an rhythmischer und sanglicher Präzision. „Sway ‘n Swing“ konnte hier fast immer überzeugen, allerdings ließen insbesondere die höheren Stimmlagen an manchen Stellen die Mühelosigkeit vermissen, die mindestens ebenso charakteristisch für den Stil sein sollte. Dennoch, ihre Sangesleistung, die sich mit einer sympathischen Moderation verband, konnte letztlich überzeugen und wurde glücklicherweise durch drei überaus fähige Musiker unterstützt.

Matthias Gebel (Schlagzeug), Hans Lecke (Bass) und Jochen Decker (Klavier) präsentierten sich als ein routiniertes Trio, das sich zurücknehmen kann ohne an musikalischem Ausdruck zu verlieren. Besonders Deckers motivisch elegant gestalteten Improvisationen und die geschmackvolle Auswahl seiner überwiegend weitlagigen Voicings erinnerten an Legenden wie Count Basie und Oscar Peterson. Aber auch Lecke und Gebel ist ein besonderes Kompliment zu machen, denn ihre enge rhythmische Verzahnung sorgte maßgeblich dafür, dass kräftig mit den Füßen gewippt wurde – bei dieser Musik ein sicherer Indikator für einen gelungenen Abend.

Von Jonas Rohde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Künstleratelier: Leena Krüger