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Symphoniker und Stadtkantorei für Japan

Auftritt in der Göttinger Johanniskirche Symphoniker und Stadtkantorei für Japan

Groß ist weltweit die Hilfsbereitschaft für Japan in diesen Wochen. In Göttingen hat sich die Aktion „Die Region hilft Japan direkt“ gebildet. Am Sonntag haben das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) und die Göttinger Stadtkantorei in einem gemeinsamen Benefizkonzert dafür rund 10 000 Euro Spendengelder eingebracht.

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Engagierte Helfer: die Sängerinnen und Sänger der Stadtkantorei und die Musiker des Symphonie-Orchesters.

Quelle: Heller

Die Vorgeschichte dieses Abends: In einer Betriebsversammlung regten die GSO-Musiker spontan an, ein Benefizkonzert für Japan zu veranstalten. GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller war einverstanden und nahm Kontakt mit Bernd Eberhardt, dem Leiter der Göttinger Stadtkantorei, auf. Beide kamen überein, gemeinsam Mozarts „Requiem“ aufzuführen.

Zwischen dieser Absprache und dem Konzerttermin lagen nur zwei Wochen. Vor zweieinhalb Jahren hatte die Stadtkantorei Mozarts Werk zuletzt gesungen, also mussten die Choristen das Werk sozusagen von (nicht ganz) Null auf Hundert in gerade einmal vier Proben einstudieren.

Für die Orchestermusiker war das „Requiem“ ihr zweiter Konzerttermin am Sonntag. Einspringer halfen aus, Krankheitsfälle bei den Streichern zu kompensieren, darunter Wolfgang Schimpf, Direktor des Göttinger Max-Planck-Gymnasiums, und Christian Tachezi, seit Februar Geschäftsführer des GSO. Und es ist auch keine Selbstverständlichkeit, in einer so kurzen Zeit vier Gesangssolisten zu finden, die ebenso wie alle übrigen Musiker um der Sache willen auf jegliche Gage verzichten. Gut 600 Zuhörer sind dann am Sonntag in die Johanniskirche gekommen. Sie erlebten eine ausgesprochen eindrucksvolle, dramatische, tröstende und bewegende Aufführung dieses Chorwerks – in der ergänzten Fassung von Robert D. Levin, die unter anderem eine neue „Amen“-Fuge nach einer Skizze Mozarts enthält. Christoph-Mathias Mueller, der das „Requiem“ zum ersten Mal in seinem Dirigentenleben leitete, ließ das Orchester sehr durchsichtig spielen, nahm straffe Tempi, die er bisweilen um der Dramatik willen sogar noch steigerte, und sorgte für eine ausgewogene Klangbalance zwischen Chor und Orchester.

Dieser Chor verdient Hoch­achtung angesichts seiner konzentrierten, präzisen Leistung. Auch in raschesten Tempi blieben die Linien klar konturiert, die Spitzentöne im Sopran zeigten kaum Spuren von Anstrengung, die Textartikulation war vorbildlich, der Chorklang homogen und zwischen den Stimmen fein ausbalanciert. Mit ansteckender Begeisterung bewältigen die Choristen ihre anspruchsvollen Aufgaben.

Unter den Gesangssolisten strahlte der höhenfreudige, leichte und dennoch durchsetzungsstarke Sopran von Kateryna Kasper besonders hell. Ein ähnlich lichtes Timbre besitzt der Tenor Andreas Post, der diesen Termin noch rasch an eine Johannispassion am Donnerstag in Minden und Händels „Saul“ am Freitag in Osnabrück angehängt hatte. Komplettiert wurde das Solistenquartett durch die zuverlässige Altistin Anna Haase und den stimmkräftigen Bassisten Daniel Schäfer.
Dieser begeisternde Abend, den die Zuhörer mit lang anhaltendem Beifall bedachten, war weit mehr als ein Konzert. Er war zugleich – wie es auch Superintendent Friedrich Selter in seiner Begrüßung ausführte – ein Zeichen der Solidarität mit Japan und Ausdruck der Fürbitte für die Opfer der Katastrophe.

Von Michael Schäfer

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