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Der Prinz und die Nazis

Tagebuch von Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe Der Prinz und die Nazis

Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe (1894-1952) hat seine Gedanken zu Familie, Deutschland und Nationalsozialismus in einem Tagebuch notiert. Sein Enkel Alexander vom Hofe hat sie veröffentlicht: „Wiedergutmachung muss sein ...“ heißt das Buch, dass er im Städtischen Museum vorgestellt hat.

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Alexander vom Hofe.

Quelle: CH

Göttingen. Schaumburg-Lippe liegt zwischen Hannover und der westfälischen Grenze. Die Gegend zwischen Minden und Rinteln sei im Zweiten Weltkrieg extrem umkämpft gewesen, erläuterte Göttingens Stadtarchivar und Leiter des Städtischen Museum, Ernst Böhme, einst schaumburg-lippischer Hausarchivar. Dort residierte das Fürstengeschlecht derer zu Schaumburg-Lippe. Prinz Heinrich war Sohn des Fürsten Georg, der mit seiner Ehefrau Maria Anna Prinzessin von Sachsen-Altenburg sieben Kinder großgezogen hatte.

Einer der Söhne, der jüngste Bruder Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe, war strammer Nationalsozialist und Adjutant von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, einem der engsten Vertrauten Hitlers. Prinz Heinrich, den der Verleger Heinrich Prinz von Hannover bei der Buchpräsentation als „politisch sehr gut informiert“ charakterisierte, sei hingegen überzeugter Soldat und Monarchist gewesen, der aber schon damals die Idee von den Vereinigten Staaten von Europa propagiert und sich gegen Rassismus gewandt habe, erklärte vom Hofe. So gehörte er zu den Mitbegründern der Freimaurerloge „Ermächtigte Brüderschaft der alten Riten“, die sich gegen Rassismus aussprach.

 Vom Hofe las eine Reihe von Eintragungen aus dem Tagebuch. Am 20. August 1938 beispielsweise hatte Prinz Heinrich sich zur Kriegsgefahr geäußert. Bis Oktober sei mit dem Ausbruch zu rechnen, hatte er notiert. Und: „Gott sollte uns vor diesem Schicksal bewahren“. Am 10. November 1938 schilderte er die Ereignisse der sogenannten Reichskristallnacht, in der Nazis Juden verhafteten und deren Geschäfte von verwüsteten. Nach Kriegsende korrigierte er diesen Eintrag: „Es ist ein Jammer, dass man das nicht schreiben konnte, was man dachte. Es wäre der reinste Selbstmord gewesen. Einzelne Seiten sind direkt für eine evtl. Hausdurchsuchung geschrieben, um sich zu schützen.“ 

Alexander von Hofe (Hrsg.): Wiedergutmachung muss sein ...“, Matrix Media, 250 Seite, 24,90 Euro.

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