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Tango mit fliegenden Hühnerfedern

„Toeac“ Akkordeon-Duo Tango mit fliegenden Hühnerfedern

Rücken an Rücken sitzen sie, den Kopf auf der Schulter der anderen abgelegt, wie schlafend. Einzelne Akkordeontöne erklingen, plötzlich schreckt eine der beiden auf und es entbrennt ein musikalischer Streit.

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Fabelhaft: Pieternel Berkers (links) und Renée Bekkers.

Quelle: Heller

In „Conversation with a shadow“ des zeitgenössischen polnischen Komponisten Zbigniew Bargielski zeigen die Niederländerinnen Renée Bekkers und Pieternel Berkers von „Toeac“, dass sie nicht nur musikalisches Talent haben.

Über 80 Zuschauer lauschen dicht gedrängt dem zweistündigen Konzert der jungen, charismatischen Musikerinnen in der Historischen Spinnerei Gartetal. Zumeist spielen sie einander zugewandt, schauen sich mal tief in die Augen oder schließen sie, ganz selbstvergessen in der Musik. Ihre virtuose, leidenschaftliche Spielweise konterkariert alle Vorurteile, die dem Akkordeon vielerorts noch entgegengebracht werden.

Abwechselnd moderieren sie auf Englisch ihr Programm mit zeitgenössischen und klassischen Werken. Tangos von Piazzolla und Strawinsky gehören dazu. Piazzolla sei sehr beliebt in den Niederlanden, erzählen sie, denn auf der Hochzeit des Kronprinzenpaares sei ein Tango des Komponisten gespielt worden. Bei „Views from a Dutch Train“ von J. Ter Veldhuis habe sich der Komponist von der niederländischen Landschaft inspirieren lassen: „Ich schaue aus dem rechten Fenster des Zuges, sie schaut aus dem linken!“ so Renée Bekkers. Das Publikum lacht.

Noch vor der Pause fliegen echte Federn, nachdem die beiden Musikerinnen die „History of the seven feathers“ von Ketil Hvoslef zum Besten gegeben haben, die auf einem Märchen basiert. Das ist passend, denn am Ende der musikalisch erzählten Geschichte sind fast alle Hühner auf dem Hühnerhof tot und „ein Huhn liegt noch im Krankenhaus“, so Berkers. Bravorufe erntet dann die Akkordeonversion von Auszügen aus Mussorgskys berühmtem Werk „Bilder einer Ausstellung“. Von der Zugabe „Ave Maria“ von Astor Piazzolla ist nicht nur das Publikum gerührt. Auch Berkers geht das Stück sichtlich nah. Mehr Zugaben waren nicht möglich, denn gleich im Anschluss müssen die beiden fabelhaften Damen von „Toeac“ nach Kopenhagen weiterreisen.

Von Marie Varela

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