Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Getanzte Tangogeschichte(n)

Tanzprojekt im Deutschen Theater Getanzte Tangogeschichte(n)

Die Sehnsucht und Melancholie des Tangos fasziniert Menschen weltweit. Nun widmeten sich Göttinger Tänzerinnen und Tänzer dem Tango Argentino und erzählten  „Tangogeschichte(n)“ im ausverkauften Studio des Deutschen Theaters inspiriert durch die Frage, woher der Tango kommt. 

Voriger Artikel
Göttinger Kulturpreis verliehen
Nächster Artikel
Voller spleeniger Ideen

Tanzen die Geschichte des Tango: 16 Tänzerinnen und Tänzer traten im Tanzprojekt des DT auf.

Quelle: Heller

Göttingen. Der Erzähler des Abends (Hans Joachim Bauer) macht schnell deutlich, dass sich die Herkunftsfrage nicht eindeutig klären lasse, zu viele Geschichten rankten sich um diesen Tanz. Ein reges Treiben – vornehmlich in rot und schwarz – erwartet die Zuschauer. Die Damen sitzen an kleinen Café-Tischen, tragen Blumen im Haar, fächern sich Luft zu und werfen sich kokett die Federboas um die Hälse. Die Männer sind ebenfalls mit Liebe zum Detail kostümiert, tragen Hüte, rauchen und spielen Karten.

Mit „Canconeta“ - einem Klagelied eines italienischen Einwanderers (Marcos Rudmann) – beginnt die Inszenierung. Italiener und Spanier bildeten den Hauptanteil der riesigen Einwanderungswelle in Argentinien zwischen 1880 und 1930. Aber auch afrikanische Sklaven  gehörten zu den Einwanderer. Gleichzeitig zog es zahlreiche arbeitslose Landarbeiter und Gauchos an den Río de la Plata. Jede Gruppe brachte ihre Kultur mit. Auf diesem spannungsreichen sozialen Boden entwickelte sich der Tango in den Armenvierteln.

Im „Tanz der Männer“ und „Tanz der Frauen“ zeigt sich eindrucksvoll, dass zu Beginn keineswegs zu zweit getanzt wurde. Für die Männer war der Tango eine Plattform des Wettstreits und des Kampfes,  die Frauen, die den anrüchigen Tanz tanzen durften, waren die Prostituierten. Herrlich neckisch und exaltiert tanzen sie im „Tanz der Frauen“ mit einem Besen. Insgesamt ist die tänzerische und choreographische Darbietung überaus gelungen. Auch darstellerisch sind die rund 20 Tänzer gefordert. Ein wahrer Augenschmaus sind Anne Kristin Evers und Matias Guinazu (Leitung Tanz) in ihrem „Tanz des Zuhälters mit einer Prostituierten“, in dem Evers nicht nur tänzerisch, sondern auch schauspielerisch punkten kann. Am Ende durften die Zuschauer ebenfalls einige der sehnsuchtsvollen Schritte tun.

Das Gefühl spürbar zu machen, das dieser Tanz vermittelt,  habe für sie bei der Arbeit an diesem Projekt im Vordergrund gestanden, so erzählt Regisseurin Carmen Prelle im Anschluss. Seit Mai  habe man intensiv geprobt und sich auf dieses Experiment eingelassen. Am Ende teilt sie mit, dass es wegen der großen Nachfrage eventuell einen Zusatztermin gebe.

Der nächste Termin der Tangogeschichte(n) im Deutschen Theater am 29. Oktober ist ausverkauft.

Von Marie Varela

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff