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Technik für trübe Tassen

„Final Goods“ in Hildesheim Technik für trübe Tassen

Wer sagt eigentlich, dass man Kunst nicht essen, als Kleidung am Körper tragen oder als Auto durch die Gegend fahren kann? Diese Fragen stellt der Kunstverein Hildesheim. In seiner Ausstellung „Final Goods“ verschmelzen Gebrauchs- und Kunstgegenstand.

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Kunst und Gewerbe: Hannes Malte Mahlers „Mahlerwear“.

Quelle: Stoeber

Hildesheim. Mit dem „interesselosen Wohlgefallen“ – wie der Philosoph Immanuel Kant einst die keinerlei Zwecken gehorchende Schönheit der Kunst beschrieben hat – haben in der Vergangenheit schon US-amerikanische Pop-Art-Künstler und Young British Artists Schluss gemacht. Nun folgt die durch die Nachgeborenen. Was ist heute anders als gestern? Diese Frage untersucht die sehenswerte Schau.

Wirkungsvoll in Szene setzen

Die Idee dazu hatte noch die vormalige Leiterin Kathrin Meyer. In die Tat umgesetzt haben sie ihre Nachfolgerinnen Nora Brünger und Sonja Wunderlich. Und um die Werke ihrer internationalen Künstler wirkungsvoll in Szene zu setzen, sind sie sogar auf Zeit in ein ehemaliges Schnellrestaurant der Hildesheimer Neustadt eingezogen.

Dort sieht man unter anderem ein Werk des niederländischen Künstlers Constant Dullaart, der seinen Nachnamen zum Firmenlogo verballhornt hat. Unter „DullTech“, was nicht von ungefähr so viel wie „langweilige Technologie“ oder „Technik für trübe Tassen“ bedeutet, wirbt er für einen von ihm entwickelten Media Player. Der zeichnet sich durch kinderleichte Handhabbarkeit aus. Für das Gerät macht er in einer perfekten Mimikry herkömmlichen Werbens mit einem Film Reklame, der zugleich neoökonomische Produktionstechniken beleuchtet und sich mit subtiler Ironie über die kapitalistische Warenästhetik lustig macht.

Öffnungszeiten

„Final Goods“ bis 1. Mai im Kunstverein Hildesheim, Wollenweberstrasse 14/15. Geöffnet mittwochs von 18 bis 20 Uhr, sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Dass der Computer und das Internet sowohl für die Produktion als auch die Distribution ihrer Kunst eine große Rolle spielen, machen auch die Werke der anderen Ausstellungsbeteiligten deutlich. Der hannoversche Künstler Hannes Malte Mahler zeigt von ihm gestaltete T-Shirts, Schürzen und Beutel. Bestellen kann man seine „Mahlerwear“ demnächst auch im Internet.

Seinen Firmennamen und das dazu gehörige Logo eines Chamäleons hat er vor Nachahmung gesetzlich schützen lassen. Das Tier ist eine Art Selbstporträt des Künstlers, der es liebt, die Farben zu wechseln und sich in unterschiedlichen Rollen zu präsentieren: nicht nur als Zeichner und Maler, auch als Fotograf und Filmer, Performance- und Installationskünstler.

Surfen in Jogginghosen

Auch die „Surfware“ des bekannten New Yorker Multimedia- und Internetkünstlers Cory Arcangel gibt es im Netz zu kaufen. Seine Surfhosen sind indes nicht für das Wasser konzipiert, sondern für das Surfen im Internet. Was mühelos viele Stunden dauern kann. Damit man es dabei bequem hat, sind diese ganz herkömmlichen Jogginghosen ähnelnden Beinkleider sicherlich von Vorteil.

Und was ist an dieser Art von Kunst nun neu? Es ist der Gebrauch des digitalen Mediums, der die Post-Internet-Künstler von ihren Vorgängern aus dem vergangenen Jahrhundert unterscheidet. Das Problem, das es für sie zu lösen gilt, nämlich eine Ware in die Welt zu setzen, die zugleich ein Kunstwerk ist, bleibt nach wie vor das gleiche.

Von Michael Stoeber

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