Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Teheraner Künstler Saeed Dafei stellt in Erbsener Wasserscheune aus

Sehnsucht nach Freiheit Teheraner Künstler Saeed Dafei stellt in Erbsener Wasserscheune aus

Unwirklich ist die Stimmung auf den großformatigen, fast monochromen Bildern des Teheraner Künstler Saeed Dafei. Die meist ernst dreinschauenden Menschen wirken europäisch. Die Frauen sind unverschleiert. Noch bis Jahresende sind die Werke des 31-Jährigen im Studio Wasserscheune in Erbsen zu sehen.

Voriger Artikel
ThOP-Gastspiel: Ben Everding mit „Best of Mühle“ im Göttinger [dots]
Nächster Artikel
Foto-Ausstellung: „Steve McQueen. The last mile“ im Rohns‘schen Badehaus

Wischen und malen: Saeed Dafei demonstriert seine Arbeitstechnik.  

Quelle: Heller

Erbsen. „Wir haben zu Zeiten des Schahs wie Europäer gelebt“, sagte Dafei bei der Ausstellungseröffnung. Der Künstler, der sein Geld als Grafiker verdient, griff sich ein Paar vergilbte Bilder vom Stapel neben seiner Staffelei. Die Fotos, von denen er sich inspirieren lässt, zeigen Brautpaare, Eltern mit ihren Kindern am Tisch, Großfamilien, Freunde. Dass sie im Iran entstanden sind, ist nicht zu erkennen.

„Diese moderne Lebensweise pflegen die Iraner bis heute, allerdings nur in den eigenen vier Wänden“, erfuhr Beate Birkigt-Quentin von der Wasserscheune vor einem Dreivierteljahr während einer Reise in den Iran. In der Öffentlichkeit erzwinge das fundamentalistische Regime seit nun schon fast vier Jahrzehnten die Einhaltung islamischer Regeln. Vielleicht ist das der Grund, warum die meisten Menschen auf Dafeis Bildern traurig wirken.

Die Stimmung kippt teilweise sogar ins Alptraumhafte. Auf mehreren Werken liegen oder sitzen gesichtslose Puppen. Eine am Hals blutende Frau ist im gleichen Bild noch einmal mit Scream-Maske zu sehen. Ein Werk heißt Israfils Horn. Engel Israfil leitet mit zwei Trompetenstößen den Jüngsten Tag ein, glauben Muslime.

Tierdarstellungen geben den Bildern einen surrealistischen Zug. Ein junger Mann sitzt neben katzenhaften Frauen, eine junge Frau neben hundehaften, wachsam umherschauenden Gestalten. Im Zentrum einer Hochzeitsgesellschaft steht ein Löwe. Ein kleiner Junge neben ihm streckt ein Schwert in die Höhe. Auf anderen Bildern flattern Tauben. „Sie drücken die Sehnsucht nach Freiheit aus“, erklärte der Künstler.

Birkigt-Quentin fasziniert vor allem der Junge, der auf mehreren Werken seine Blechtrommel schlägt. Dafei hat tatsächlich den Roman von Günther Grass gelesen. Dass veranlasste die Galeristin zum spontanen Entschluss, die Werke, in Teppiche eingerollt, nach Deutschland zu holen.

Zur Vernissage war Dafei nach Erbsen gereist. Er erläuterte die Technik, mit der er seine Bilder schafft. Er grundiert die Leinwand weiß, übermalt sie schwarz und schafft dann die Motive durch Wischen und erneutes Malen. Zur Eröffnung trug der Göttinger Philosophiestudent Hassan Schoaei, über den der Kontakt zu Dafei zustande kam, ein Gedicht des iranisches Poeten Ahmad Shamloo vor. Der Künstler flog nach dem Besuch in Südniedersachsen weiter nach Paris.

Von Michael Caspar

 
 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff