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Temporeiche Tour durch Stile und Epochen

„Salut Salon“ Temporeiche Tour durch Stile und Epochen

Der Fünfte im Quartett heißt Oscar. Oscar ist Spezialist für die Spitzentöne in Liszts „Liebestraum“. Und er kann nicht nur Klavier spielen, sondern auch Geige und Cello. Er mischt überall mit, wenn seine vier Herrinnen, das Quartett „Salut Salon“, auftreten.

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Überzeugen mit ungewöhnlich pfiffigen Arrangements: „Salut Salon“.

Quelle: Schäfer

Allerdings ist dieser Hahn im Korb eine Puppe – eine ausgesprochen lebendige, aber wohlerzogene: Meist lässt er die vier Damen für sich spielen, auch wenn er bei seinen Auftritten die geballte Sympathie des Publikums genießen kann.

Und diese vier Damen sind eine Klasse für sich, keine Frage. In den vergangenen Jahren haben sie auf etlichen Tourneen bis hin nach China Erfolge eingeheimst. Am Mittwoch, 30. März, statteten sie erstmals Göttingen einen Besuch ab, im nahezu ausverkauften Deutschen Theater. „Um alles in der Welt“ haben sie ihren Abend genannt. Doch wer mutmaßt, das sei eines der üblichen hausbackenen Programme, die unter Titeln wie „Musikalische Reise um die Welt“ präsentiert werden, der irrt gewaltig.

Die Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried, die Cellistin Frederike Dany und die Pianistin Anne-Monika von Twardowski lassen ihre Zuhörer kaum durchatmen auf ihrer temporeichen Tour durch Stile, Epochen und Regionen. Ungewöhnlich pfiffige Arrangements sind das Markenzeichen von „Salut Salon“. Stets erkennt man in ihnen unschwer das Original, es kommt aber immer wieder in überraschendem Outfit einher. Hier ein Piazzolla-Tango, dort der Strauß-Walzer „An der schönen blauen Donau“, hier die „Tatort“-Titelmusik, dort der „Frère Jacques“-Kanon, eingearbeitet in Musik von Bach, Mozart, Chopin, Schubert und in den Song „Zu spät“ von „Die Ärzte“. Wer einmal vernommen hat, was „Salut Salon“ aus dem Mussorgski-Stück „Die Hütte der Baba Yaga“ an Angst-und-Schrecken-Effekten heraus­kitzelt, wird diese Musik später kaum normal hören können.

„Salut Salon“ vereinen ansteckende Spiellust, vergnügliche kabarettistische Kunst und nie versiegende Einfallsfreude mit höchster musikalischen Qualifikation. Dazu sind sie unglaublich vielseitig, sie moderieren, singen, tanzen und bieten auch noch perfekt einstudierte artistische Experimente, wenn etwa der Geigenbogen auch mal unterm Knie geführt wird oder eine Musikerin gleichzeitig mehrere Instrumente spielt. Dazu lachen sie so entspannt, als sei dies alles eine Kleinigkeit. So wollte der Jubel im Theater trotz etlicher Zugaben kaum enden. Und, o Freude: Sie wollen gern wiederkommen.

Von Michael Schäfer

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