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Lehrerin Müller muss weg

ThOP Göttingen Lehrerin Müller muss weg

Wie Raubtiere kämpfen sie darum, dass ihr Grundschulkind die Gymnasialempfehlung bekommt. Lutz Hübners Eltern-Komödie „Frau Müller muss weg“ hat am Sonnabend im Göttinger ThOP Premiere gefeiert. Regisseur und Ensemble ist eine großartige Inszenierung gelungen.

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Thomas Sicking als „Patrick Jeskow“, Beatriz Beyer als „Marina Jeskow“, Anika Bittner als „Jessica Höfel“ und Niels Jensen als „Wolf Heider“.

Quelle: Opitz

Göttingen. Wie Raubtiere kämpfen sie darum, dass ihr Grundschulkind die Gymnasialempfehlung bekommt. Lutz Hübners Eltern-Komödie „Frau Müller muss weg“ hat am Sonnabend im Göttinger Theater im OP (ThOP) Premiere gefeiert. Regisseur Thomas Rühling ist mit dem Studenten-Ensemble eine großartige Inszenierung gelungen.

Was für ein Feuer! Was für eine Leidenschaft! Mit atemberaubender Präsenz mimen die jungen Schauspieler aufgeregte Eltern. Weil im zweiten Schulhalbjahr die Leistungen der vierten Klasse abgesackt sind, steht bei vielen die Versetzung aufs Gymnasiums in Gefahr. Muss der hyperaktive Sohn demnächst mit Arabern die Realschulbank drücken?, sorgt sich eine grün-bewegte Mutter (hysterisch: Beatriz Beyer). Sicherheitshalber schiebt sie nach, dass sie natürlich nichts gegen Zuwanderer habe.

Die Nerven der Eltern liegen blank

Ist der soziale Abstieg der faulen Tochter noch aufzuhalten?, fragt sich ein Vater (cholerisch: Niels Jensen) in schlaflosen Nächten. Die Nerven der Eltern liegen blank. Bei gemeinsamen Treffen in den vergangenen Wochen fanden sie eine bestechend elegante Lösung. Lehrerin Müller muss weg. Ein entsprechendes Schreiben haben die meisten Eltern unterschrieben. Nun muss die Botschaft noch überbracht werden. Für ein abendliches Gespräch hat die Elternsprecherin (knallhart: Anika Bittner) mit anderen die arglose Pädagogin in der Schule gebeten.

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Das studentisches Ensemble am Theater im OP zeigt das Stück in der aktuellen Spielzeit..

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Mit dem Handy telefonierend rauschen die fünf teils perfekt durchgestylten Eltern herein (Maske: Zohal Jabbar). Minimalistisch ist das Bühnenbild (Heiko Matthias). Den quietschbunten Teppichboden schmücken süße Tierdarstellungen. Ansonsten ist die Bühne frei von Requisiten. Das Stück lebt ganz vom Spiel des Ensembles. Und das hat es in sich.

„Es darf nicht demütigend für sie werden“, sorgt sich der Ehemann der grün-bewegten Mutter, den Thomas Sicking als hilflos-überforderten Vater spielt. Eine große Packung Schokoladenriegel hat die Mutter des Klassenbesten (will es allen recht machen: Jana Cordes) als Geschenk für die Lehrerin mitgebracht. Sie ist mit Frau Müller eigentlich zufrieden. Ihr Sohn wird es in jedem Fall aufs Gymnasium schaffen. Nur aus Solidarität mit den anderen ist sie mitgekommen.

Doch nun quält die Mutter, die sich als Museumspädagogin der Lehrerin kollegial verbunden fühlt, das schlechte Gewissen. Eigentlich waren doch alle in den ersten drei Jahren von der Klassenlehrerin Müller begeistert, wirbt sie um Verständnis. Viele Projekte habe die Lehrerin mit den Kindern gemacht. Aber nun seien die Leistungen abgesackt, schimpft der cholerische Vater. Es müssten Konsequenzen gezogen werden.

Sönke Wortmann verfilmte den Stoff 2015

Dann hetzt die Lehrerin (idealistisch: Johanna Mohrmann) ein paar Minuten zu spät ins Klassenzimmer. Noch ganz atemlos will sie den Eltern erst einmal die Ergebnisse des neues Klassenprojekts zeigen: eine Wand voller Kinderbilder. Da merken die Eltern, dass ihr Plan aus dem Ruder zu laufen droht. Voller überraschender Wendungen ist Hübners an witzigen Dialogen reiches Stück. 2010 hat das Staatsschauspiel Dresden die Auftragsarbeit uraufgeführt. Sönke Wortmann verfilmte den Stoff 2015.

Die Lehrerin reagiert auf ihre „Entlassung“ durch die Eltern zunächst verletzt und geschockt, fragt mit den Tränen kämpfend, warum vorher niemand mit ihr gesprochen habe. Dann geht sie zum Gegenangriff über, nimmt sich die Eltern nacheinander vor. Nicht bekannte Details, über das Verhältnis der Kinder untereinander kommen zur Sprache. Damit öffnen sich unerwartete Fronten zwischen den Eltern. Neue Allianzen bilden sich. Die Handlung nimmt immer neue Wendungen. Am Ende gibt es langen Applaus für die tolle Unterhaltung.

Weitere Termine: 31. Oktober, 1., 3., 4., 7., 8., 10., 11., 14., 15., 17. und 18. November, jeweils 20.15 Uhr. Tickets können per E-Mail reserviert werden: theaterkarten@gmail.com. Das Kulturticket gilt für alle Aufführungen.

Von Michael Caspar

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