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ThOP-Premiere im Deutschen Theater Göttingen

„Über alle Maßen“ ThOP-Premiere im Deutschen Theater Göttingen

Sechs Frauen hat Blaubart umgebracht, bevor ihn die siebente von diesem Zwang erlöste. So erzählt es uns ein Märchen mit Moral aus dem Jahr 1697. Der Stoff wurde später immer wieder für Bühnenwerke adaptiert. Gemeinsam mit dem Regisseur Andreas Kriegenburg und einem Ensemble entwickelte die Autorin Dea Loher 1997 das Stück „Blaubart – Hoffnung der Frauen“.

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Schwieriges Verhältnis: Blaubart (Luke Slager) und die Frauen.

Quelle: Opitz

Göttingen. Thomas Löding hat es jetzt für das studentische Theater im OP inszeniert. Doch weil das Dach des Hauses repariert werden muss, hat die Produktion Unterschlupf auf der Studiobühne des Deutschen Theaters gefunden. Premiere war am Mittwochabend im ausverkauften Haus.

Das also soll die Hoffnung der Frauen sein: ein unsportlicher Schuhverkäufer mit schütterem Haar und ohne Sinn für Ästhetik. Luke Slager spielt ihn mit dem ihm eigenen englischem Akzent, immerhin. Julia (Tamara-Magdalena Bartels) ist die erste Frau, die er trifft. Sie ist 17 Jahre alt und verliebt sich Hals über Kopf in Blaubart, „über alle Maßen“.

Weil er diese Maßlosigkeit nicht auf Anhieb teilen kann, bringt Julia sich um. Dumm gelaufen. Sechs weitere Frauen kreuzen seinen Weg, fünf von ihnen sterben – alle der Liebe wegen, die Blaubart nicht entsprechend erwidern kann.

Loher hat mit den Schauspielerinnen zusammen Frauen-Prototypen entwickelt. Die eine ist jung und naiv, die zweite eine Prostituierte, die dritte hochsensibel, die vierte hochintelligent. Im Geschlechterkampf ringen sie mit dem Mann, der so wenig dazu beitragen kann, das Verhältnis zwischen Mann und Frau zum Funktionieren zu bringen. Er ist ein emotionaler Komplettversager.

Loher Stück ist natürlich eine Steilvorlage für ein Ensemble. Schauspielerinnen können ihre Bühnencharaktere filigran entwickeln, während der Regisseur darauf Acht geben muss, dass sich die Figuren voneinander abheben. Jede muss ihre Nische finden. Das ist Löding und seinem studentischen Ensemble weitgehend gelungen.

Mit wenigen Requisiten und noch weniger Bühnenbild haben sich alle dialogisch mit diesen Geschlechterbildern befasst und einiges zutage gefördert. Und sie haben nicht der Versuchung ablenken nachgegeben, Mord und Totschlag übermäßig effektvoll in Szene zu setzen. Das tut der Inszenierung entschieden gut.

Weitere Vorstellungen: 8., 9., 11., 18., 19., 21. und 22. November um 20.15 Uhr im Studio des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.
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