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„Thalias Kompagnons“ zeigt Kafkas Romanfragment „Das Schloss“

Figurentheatertage „Thalias Kompagnons“ zeigt Kafkas Romanfragment „Das Schloss“

Eigentlich ist K. Landvermesser. Der Protagonist in Franz Kafkas Romanfragment „Das Schloss“ kommt in ein Dorf, das zum Besitz eines Schlosses gehört. Fortan ficht er seinen Kampf gegen ein Behördenlabyrinth, in dessen Verlauf sich K. plötzlich als Schuldiener wiederfindet und in der Turnhalle übernachten muss.

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Spiel mit schlichten Holzfiguren: Tristan Voigt.

Quelle: EF

Im Rahmen der Göttinger Figurentheatertage hat das Theater „Thalias Kompagnons“ am Sonnabend seine Bühnenadaption des Stoffes vorgestellt, gespielt von Tristan Voigt.

Trotz größter Bemühungen gelingt es K. nicht, das Schloss zu erreichen. Die Dorfbewohner bleiben distanziert, wenn man von seiner kurzfristigen Beziehung zu dem Schankmädchen Frieda absieht. Es kommt zu teils entwürdigen Szenen für K. Das Stück endet mit einem Gespräch zwischen ihm und Pepi, der vorübergehenden Nachfolgerin Friedas im Ausschank.

„Das Schloss“ ist neben „Der Verschollene“ und „Der Prozess“ einer der drei unvollendeten Romane von Franz Kafka. Das Werk entstand vermutlich 1922 und wurde 1926 von Max Brod postum veröffentlicht. Das Fragment weist biografische Bezüge auf. So kann wohl davon ausgegangen werden, dass die Bürokratie im Schloss für Kafkas Arbeitsstelle bei der Arbeiter-Unfallversicherung in Prag steht.

Voigt spielt mit schlichten Holzfiguren. Einen Tisch und einen Schrank hat er als Requisiten dabei. Seine Akteure zaubert Voigt aus Schachteln, Schubern und Kartons hervor. Die Bewegungen der Puppen und die Dialoge schwanken zwischen albern und urkomisch. Zum einen fühlt der Zuschauer sich an die Bürokratie heutiger Behörden erinnert, zum anderen an nicht enden wollende Machtkämpfe, Intrigen und Beziehungsfallen.

Den knapp 100 Zuschauern hat die moderne Inszenierung gut gefallen. Sie würdigten Voigt am Ende mit langem Applaus. Verdientermaßen: Mit seinen kleinen Figuren hat er die Vergeblichkeit menschlichen Tuns und Strebens überspitzt, aber nachvollziehbar dargestellt – und brachte die Theaterbesucher immer wieder zum Lachen.

Von Alexander Lechler

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