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Thea Dorn erzählt in Göttingen von Tod und Teufel

Literaturherbst Thea Dorn erzählt in Göttingen von Tod und Teufel

Ein sonderbares Paar hat Schriftstellerin Thea Dorn erfunden, um Biomedizin und Romantik, Erfindergeist und Forschergewissen darzustellen. Im Deutschen Theater stellte Dorn am Sonntag ihren Roman "Die Unglückseligen" vor im Programm des Göttinger Literaturfestivals "Der Herbst im Frühling".

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Liest beim Literaturherbst: Thea Dorn.

Quelle: Heller

Göttingen. Mit ihrem Roman "Die Unglückseligen" hat Thea Dorn den Physiker Johann Ritter unsterblich gemacht. Der wurde im Jahr 1776, als in Göttingen der Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg seine erste Vorlesung hielt, geboren und nicht alt. Doch Dorn lässt ihn leben. Bei ihr kommt er als "verwitterter Jüngling" bis in die Gegenwart durch und ist doch einer, der Habitus und Sprache der Zeit der deutschen Romantik nicht abgelegt hat, jedoch seine einstige Suche nach dem Teufel. So redete denn Dorn "über Tod und Teufel und Unsterblichkeit" auf der Bühne vor gerade mal etwa 120 Zuschauern mit Moderator Ulrich Kühn von NDR Kultur.

Ritter gilt als Erfinder der Akkumulatoren. Als Vertreter des heute als Elektrizitätslehre bezeichneten Galvanismus machte er zu seiner Zeit von sich reden. Der Unsterbliche trifft in den USA auf Molekularbiologin Johanna Mawet, die ein Leben ohne Ende durch Zellmanipulation erreichen und so von sich reden machen will. Die Debatten der beiden um den Sinn des Lebens und der Sterblichkeit machen den Stoff aktuell. Und doch hat die seit ihrem 13. Lebensjahr von dem Fauststoff begeisterte Dorn eine spannende Zeitreise abgeliefert und damit der ihrer Meinung nach herrschenden literarischen "Gegenwartsnabelschau" einen deutschen Roman entgegengesetzt, der die Zeit des 18. Jahrhunderts ins kulturelle Bewusstsein holt. Und dafür setzt sie auf, so Kühn, "rhetorische Aufmärsche", die dem Leser einiges abverlangen. Dabei geht sie mit "rabiaten Zukunftsoptimisten" und dem oberflächlichen Fortschrittsglauben ins Gericht, erinnert an den Traum der Alchimisten und bringt den Teufel in einer neuen Rolle ins Spiel. Sind Tod und Teufel Sinnstifter? Dorn, so der Abschluss des so informativen wie unterhaltsamen Bühnengesprächs mit pointierter Lesung, fühlt sich in der Debatte um transgene Methoden und Visionen, die bis zum lebensverlängernden Einsatz von Nanobots reichen, ihrer Romanfigur Ritter näher. Der fragt, das längste Leben kennend und auf seine Weise lebensmüde, "ist es nicht die Armut ins Unendliche verlängern?"

Thea Dorn: "Die Unsterblichen". Knaus, 560 Seiten, 24,99 Euro.

Die Lesung mit Thea Dorn ist am Sonntag, 19. Juni, im Radiosender NDR Kultur zu hören.

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