Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Theater M 21 feiert im Cheltenham-Haus Göttingen Uraufführung

Rampenlicht als Droge Theater M 21 feiert im Cheltenham-Haus Göttingen Uraufführung

„Ich bin sieben Jahre alt und führe Selbstgespräche.“ Das Kind, das da gegen eine Ballmaschine kämpft, gegen den „Drachen“, ist verzweifelt. Eine Million Bälle im Jahr schlagen, wer das schafft, der wird es im Tennis weit bringen. Das sagt der Vater.

Voriger Artikel
Premiere von „Nathan der Weise“ am Jungen Theater Göttingen
Nächster Artikel
Göttinger Symphonie-Orchester Gast im Deutschen Theater

Gedopt? Kathrin Müller-Grüß als Andre Agassi.

Quelle: EF

Göttingen. Andre Agassi hat es im Tennis weit gebracht. Mit allen Höhen und Tiefen. Weit gebracht hat es auch Lance Armstrong, auch er hat hart trainiert, seinen Körper geschunden für die Momente im Rampenlicht, für die Droge Sieg.

Aber er hat auch unerlaubte Hilfsmittel genutzt und dafür einen hohen Preis gezahlt. Die beiden Sportler stehen im Mittelpunkt der Inszenierung „Das Blaue vom Himmel“ des Theater M 21 von Joachim von Burchard.

Ein Sieg schenkt dem Sportler ein unvergleichliches Gefühl. Nach diesem Kick werden viele süchtig. Sie trainieren bis der Arzt kommt, hören nicht immer auf ihren Körper, lassen ihn fit spritzen oder dopen für höhere Leistungen. Oft sind es auch Trainer und Manager, die sie dazu treiben.

Die Fans und die Medien lieben Sportlerhelden, pushen sie, lassen sie fallen, haben hohe moralische Ansprüche an ihre Helden. Die Inszenierung spürt den vielen Seiten dieser Sportlerleben nach.

Das Bühnenbild ist einfach, aber geschickt gewählt: Zwei Rennräder stehen vor einer großen Leinwand. Hier läuft der Film einer lange  Abfahrt durch die französischen Berge. Auf dem Boden liegen massenhaft Tennisbälle. Kathrin Müller-Grüß und Andreas Klump treten als Agassi und Armstrong fleißig in die Pedale, dabei liefern sie Versatzstücke aus deren Leben, Interviews, Gedanken, zwischendurch auch mal ein Quiz zu den besten Dopingausreden. Beide überzeugen.

Müller-Grüß zeigt die Qualen des eher getriebenen Agassi, der Drogen nimmt, um den Druck auszuhalten und den Körper mit höllisch schmerzenden Cortisonspritzen noch einmal fit bekommen möchte. Klump gibt einen überlegenen Armstrong, den Saubermann, den strahlenden Krebsbesieger. „Ich war der herausragende Sportler unter den Radfahrern, die allesamt gedopt waren“, sagt Armstrong trotzig, auch als sein Doping bekannt geworden ist.

Gelungen auch ein fiktives Interview mit dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes, das Jan Exner und von Burchard führen. „Wenn man betrügt, dann richtig. In welcher Liga spielen wir denn?“ Sachlich interessierte Fragen und Antworten voller Stolz auf das, was der Dopingarzt so möglich macht, Hinweise auf neue, nicht mehr nachweisbare Methoden, lassen Beklemmung aufkommen.

Dieser kurzweilige Theaterabend führt vieles zusammen, was vom Hochleistungssport eigentlich bekannt ist. Es ist gut daran zu erinnern, was für ein perfides Geschäft der Profisport ist. „Ihr habt es euch doch gewünscht, dass es Menschen wie mich gibt. Obwohl ihr immer Zweifel hattet. Habt euch gut unterhalten gefühlt vor euren Flachbildschirmen“, sagt Armstrong am Schluss.

Nächste Vorstellungen: 7., 8., 9., 15. und 16. Mai sowie am 20. und 21. Juni jeweils um 20 Uhr in der Theaterpassage im Cheltenham-Haus, Friedrichstraße 1. Kartentelefon: 05 51 / 50 85 624

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff