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„Theater des Ostens“ mit „Der Name der Rose“ in Duderstadt

Gastspiel „Theater des Ostens“ mit „Der Name der Rose“ in Duderstadt

Theatergastspiel in der Eichsfeldhalle Duderstadt: Die dramatisierte Fassung von Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ hat das Publikum in seinen Bann gezogen.

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Meister und Gehilfe: Franziskanermönch William von Baskerville (Dieter Wien, links) und Salvatore (Sebastian Fischer).

Quelle: Tietzek

In einer mittelalterlichen Abtei werden grausame Morde verübt. Die beklemmende Atmosphäre kriecht mit den Kunstnebelschwaden in die Zuschauerränge der Duderstädter Eichsfeldhalle. 

Dabei erhebt sich die Frage: Wie ist es möglich, dem 600-Seiten-Wälzer „Der Name der Rose“ von Umberto Eco mit seiner Mischung aus Krimi und philosophischer Historie in einem abendfüllenden Theaterstück gerecht zu werden? Beantwortet wird sie vom Ensemble des „Theater des Ostens“ aus Berlin mit einer ausgesprochen gelungenen Inszenierung. 

Mysteriöse Morde

Auch in der Bühnenfassung von Claus J. Frankl ist der junge Adlatus Adson von Melk – lebendig dargestellt von Felix Isenbügel – Erzähler der Geschichte, die sich im Jahr 1327 in einem Kloster in Norditalien ereignet. Seinem Meister, dem Franzikanermönch William von Baskerville,  hilft er bei der Aufklärung der mysteriösen Morde und rettet damit die Hoffnung auf den Sieg der Vernunft. 

Dieter Wien meistert mit seiner Interpretation des William die Gratwanderung zwischen Übervater und aufgeklärtem, mitfühlendem Menschen. Ein Geniestreich gelingt Vera Oelschlegel. Sie ist nicht nur Regisseurin der Aufführung, sondern ist auch auf der Bühne in der Rolle des Jorge von Burgos zu erleben, der im religiösen Wahn kaltblütig mordet, um zu verhindern, dass das Lachen „dem Bauern die Angst vertreibe“. Hinter Jorges menschlicher Gebrechlichkeit verbirgt sich das Böse schlechthin. Oelschlegels androgyne Darstellung präsentiert diese Person  zugleich als tatterigen Greis und als gespenstisch-surrealistischen Besessenen.

Szenenapplaus

In der Rolle des genussfreudigen Kellermeisters Remigius wächst Matti Wien über sich selbst hinaus. In der Szene seiner Verurteilung zum Tode durch die Inquisition und seines aus der Verzweiflung geborenen Lachens über die Schlechtigkeit der Welt verleiht er allen zu Unrecht Verfolgten ein so lebendiges Gesicht, dass spontaner Szenenapplaus die Ergriffenheit des Publikums zum Ausdruck brachte.

Große Sprachkunst, ein apokalyptisches Finale und ein Ensemble, das sein Handwerk bis ins Detail beherrscht – so serviert man die Essenz aus einem 600-Seiten-Meisterwerk.

Claudia Nachtwey

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