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„Den Leuten ist das fast unerträglich“

Theatertage Göttingen „Den Leuten ist das fast unerträglich“

Ein ägyptischer Junge verliert eine Münze – und weiß nicht, wie er sie suchen soll, weil er nie zuvor etwas besessen hat. Ein Scheich muss seine letzte Dattelpalme verkaufen – und lässt sein Leben Revue passieren. Aus solchen Geschichten arabischer und afrikanischer Autoren liest Schauspieler Thomas Sarbacher beim Kultursommer.

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Liest arabische und afrikanische Geschichten im Deutschen Theater: Schauspieler Thomas Sarbacher.

Quelle: r

Damit wolle er der europabezogenen Berichterstattung zur Flüchtlingskrise etwas entgegensetzen, so Sarbacher – „mit der Kraft der Geschichten derer, die hierher kommen“. „Ich will die Gesichter aus den Nachrichten mit Geschichten verbinden“, sagt der Schauspieler, der auch schon in verschiedenen „Tatort“-Folgen mitgespielt hat. Dafür habe er Geschichten aus der Anthologie „Auf Besuch“ ausgewählt, unter anderem von Tajjib Salich aus dem Sudan und dem Palästinenser Ghassan Kanafani. Die meisten der Geschichten stammen bereits aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, viele der Autoren, die noch leben, wohnen im Exil, so Sarbacher. Mit der Flüchtlingskrise gewinnen die Erzählungen wieder an Aktualität.

Mit seinen Lesungen unter anderem arabischer Geschichten wolle Sarbacher auch auf deren Erzähltraditionen aufmerksam machen. „Die Geschichten sind sehr sinnlich, extrem erfahrbar, man ist nah dran“, erzählt er, es gebe keine große Reflexionsfläche. Dabei gehe es teilweise um banale Alltagsereignisse – wie eben den Verkauf einer Dattelpalme –, die gleichzeitig die Umstände in den Ländern abbilden und spürbare Willkür und Gewalt erfahrbar machen.

„Den Leuten ist das manchmal fast unerträglich“, erzählt Sarbacher. So sei es gewesen, als er einmal eine Geschichte über die Folter und Hinrichtung eines Mannes las. „Das halten die Leute nicht aus“, sagt er. Dabei sei es nicht sein Ziel, das Publikum zu bedrücken oder schockieren. „Ich habe kein anderes Ziel als diese Geschichten vorzustellen“, sagt Sarbacher. Er will die Aufmerksamkeit auf die Erzählungen der Autoren lenken.

Das Schwierigste an der Vorbereitung sei die Auswahl der Geschichten, auf die Sarbacher vergangenes Jahr durch eine Jubiläumsfeier des Schweizer Lenos-Verlages gestoßen ist, bei der er erstmals solche Geschichten gelesen hat. Nach dem Lesen empfinde er oft selbst Erschütterung. „Da bin ich für den Rest des Tages fertig“, gibt Sarbacher zu. „Das Lesen ist dann ein sehr intuitives Vorgehen“, erklärt er. Wo er Atempausen setze oder für etwas Erleichterung sorge, das entscheide er aus dem Bauch heraus.

 

Karten gewinnen

Für die Lesung von Thomas Sarbacher am Sonnabend, 13. August, um 19 Uhr im Deutschen Theater, Theaterplatz 11, verlost das Tageblatt dreimal zwei Eintrittskarten. Wer gewinnen will, muss am Donnerstag, 23. Juni, zwischen 14 und 20 Uhr unter der Telefonnummer 01 37 / 8 60 02 73 anrufen und deutlich seinen Namen, Anschrift und Telefonnummer auf das Band sprechen (0,50 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen). Kartenvorverkauf unter Telefon 05 51 / 49 69 11. hsc

 

Zur Person

Thomas Sarbacher ist ein 55-jähriger, deutscher Schauspieler, der sich erst mit 26 Jahren für das Schauspielern entschied – und es dann an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz lernte. Seit seinem Engagement an der Bremer Shakespeare Company von 1990 bis 1995 ist er als freier Schauspieler tätig – sowohl im Theater als auch in Film und Fernsehen. Außerdem hält er viele Lesungen. Sarbacher spielte unter anderem an Theatern in Zürich, Klagenfurt und Konstanz. Er übernahm Rollen in „Underdogs“ und „Die Welle“ sowie in verschiedenen „Tatort“-Folgen. hsc

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