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Thilo Seibel mit „Das Böse ist verdammt gut drauf“ im Göttinger Apex

Kabarett Thilo Seibel mit „Das Böse ist verdammt gut drauf“ im Göttinger Apex

Was ist eigentlich böse? Bei Hitler, Stalin und Donald Rumsfeld scheint die Sache klar. Aber was ist mit dem Chef von Amazon? Vielleicht doch eher Grauzone. Auch beim Guten ist die Lage nicht eindeutig. Der Dalai Lama und Conchita Wurst ja, aber Papst Franziskus mit seinen eigenwilligen Erziehungstipps? Kabarettist Thilo Seibel hat sich am Sonnabend im ausverkauften Apex unter dem Motto „Das Böse ist verdammt gut drauf“ den dunklen Seiten und Mächten genähert.

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Gut drauf: Thilo Seibel

Quelle: Heller

Göttingen. Das Personal an Bösem ist groß. Und mit der Top 5 der Weltpolitik geht es los. Putin, Islamisten, Pegidisten, Terroristen. Dass ein Zuschauer Yanis Varoufakis in die Liste nehmen möchte, haut Seibel nicht aus der Kurve. Aus dem Stegreif ist er vom Disput mit Schäuble dabei, mit Gysi, Steinbach und Lucke eine deutsche Regierung nach griechischen Verhältnissen umzubauen und hat auch noch die tendenziösesten Schlagzeilen parat. Prima pariert.

NSA-Abhörskandal, Wirtschafts- und Steuerflüchtlinge, die Verflechtung von Politik und Finanzmärkten, das „Internet der Dinge“ als neue technische Revolution und, und und ... Das Themenspektrum ist enorm, klug zusammengestellt und wohl dosiert. In einem Höllentempo dekliniert Seibel die Protagonisten, Verwicklungen und Zusammenhänge durch. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler zieht Schlüsse, gibt Querverweise, rollt Daten aus. Eine Flut an Details schwappt den Zuschauern entgegen. Aufmerksamkeit ist angesagt.

Pointen um jeden Preis sind nicht Seibels Ding. Vieles lässt er einfach für sich sprechen und überzeichnet nur recht wenig. Dazwischen darf es aber auch mal richtig lustig werden. Da werden Merkel, Pofalla („der Luftbefeuchter des Bösen“) und Konsorten imitiert und karikiert, allen voran EU-Kommissar Günther Öttinger, der als „Ganter Outinger in Braxells“ schwäbelnd und faselnd für einige Lacher sorgt.

Seit 1995 als Kabarettist unterwegs weiß der Kölner, wie man Zuschauer einbezieht. Die Vermögensverteilung in Deutschland veranschaulicht er einfach mit einem Bonbonglas voller Schokodragees. Die „arme Hälfte“ des Publikums darf sich fünf Stück teilen. Der „reichen Hälfte“ gibt Seibel großzügig ab, den Rest behält er für sich. Ganz der realen prozentualen Verteilung entsprechend. So geht Didaktik. Und so geht unterhaltsames politisches Kabarett.

Von Karola Hoffmann

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