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Thilo Seibel über Beitrittsverhandlungen mit Türkei

„Willst Du in die EU, schlag zu“ Thilo Seibel über Beitrittsverhandlungen mit Türkei

Thilo Seibel freut sich schon auf das Jahr 2050. Dann werde er bei einem Auftritt in „Göttingen am Nordseestrand“ über das Jahr 2015 lachen, als sich Deutschland mit einer Million Flüchtlingen schwer tat.

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Thilo Seibel

Quelle: Heller

Göttingen. 2050 müsse die Republik „zehn Millionen Boatpeople aus Holland“ integrieren. Der Kabarettist war jetzt zu Gast im Apex.

Klimawandel und Flüchtlingskrise gehörten zu den Themen, die der Wahl-Kölner, bei seinem satirischen Jahresrückblick im Apex aufgriff. Er attackierte die Europäische Union (EU) an, die Flüchtlingsboote zerstöre, statt Menschen zu retten. Jahrelang habe die EU Beitrittswünsche der Türkei aufgrund von Defiziten bei Demokratie und Menschenrechten zurückgewiesen. Nun, wo Anatolien für Europa die Drecksarbeit bei der Festsetzung von Flüchtlingen leiste, sei das Land willkommen. Seibels Fazit: „Willst Du in die EU, schlag zu.“

Der gebürtige Münchner spottete über Gegner der Einwanderung, nannte die CSU eine „überbewertete Regionalpartei aus dem Süden Deutschlands“ und grüßte die Vorsitzende der Alternative für Deutschland mit „Petry Heil“. Er amüsierte sich über Warnungen vor einer „Islamisierung des Abendlandes“. Angesichts deutscher Waffenlieferungen in den Nahen Osten ziehe er es vor, von einer „Germanisierung des Morgenlandes“ zu sprechen.

Beim Umgang mit den ungarischen „Wehrsportfreunden“, die ihr Land mit einer Mauer gegen Flüchtlinge abschotteten, riet er zur Streichung der EU-Strukturhilfen. Dann brauche sich Brüssel nur bequem im Sessel zurücklehnen und schauen, wie schnell Budapest seine Politik ändern werde. Bitter empörte der 48-Jährige sich über Demokraten, die nicht zu den eigenen Werten stünden. Sie machten rechtsextreme Politik, damit Rechtsextreme nicht an die Macht kämen.

Mit einer gewissen Befriedigung registrierte der Kabarettist, dass Deutschland im Vergleich zu den anderen Europäern noch am offensten mit Flüchtlingen umgehe. Doch der „korrupte“ Deutsche Fußballbund und die „Kriminellen“ in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft sorgten schon dafür, dass das niemandem zu Kopf steige. Genüsslich führte der studierte Betriebswirt die Commerzbank vor, die Kunden mit der Errichtung von Briefkastenfirmen bei der Steuerhinterziehung helfe und sich dann von der Regierung acht Milliarden Euro Steuergelder zur Rettung der eigenen Bank auszahlen lasse.

Viele Politiker bekamen ihr Fett weg. Dem Verteidigungsministerin unterstellte er angesichts der vielen Pannen bei der Bundeswehr die Umsetzung eines „pazifistischen Konzepts“. Allerdings würden die deutschen Waffen leider manchmal doch treffen. Beim Finanzminister wisse man nie recht, ob er die Schwarze Null im Haushalt wolle, oder die „Schwarze Null“ seiner Partei sei, so Seibel.

Von Michael Caspar

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