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Thomas Brussig stellt neuen Roman im Alten Rathaus Göttingen vor

Erfundenes Leben Thomas Brussig stellt neuen Roman im Alten Rathaus Göttingen vor

Schriftsteller Thomas Brussig und Moderator Joachim Dicks sind gut gelaunt, als sie am Donnerstag auf die Bühne im Alten Rathaus kommen. Dicks erzählt vom Standesamtsbereich, aus dem sie gerade kommen, der Dorntze, die am Abend als Künstlergarderobe genutzt wird.

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Gut gelaunt im Alten Rathaus: Buchautor Thomas Brussig (links) und Moderator der Lesung Joachim Dicks.

Quelle: Heller

Göttingen. Und Brussig scherzt: Aber heute ging es gerade nochmal gut.“ Schon da ist zu hören, dass der Mann, der in drei Genres jeweils ein Millionenpublikum erreichte, aus Berlin stammt, aus dem Osten der heutigen Bundeshauptstadt. Brussig berlinert. Und da er 1964 oder 1965 geboren ist – hier sind die Quellen uneins - erlebte er die DDR und schließlich den Mauerfall hautnah mit. Er sei „eine Art Mauerexperte“, sagt Dicks und spielt damit an auf die Themen, mit denen Brussig bekannt wurde.

„Helden wie wir“, ein Roman über den Mauerfall und die Jahre davor, war sein erster literarischer Erfolg. Noch größere Bekanntheit erreichte er als Drehbuchautor des Films „Sonnenallee“, der komödiantisch das Leben in der DDR vor dem Mauerfall zeigt. Und seit 2011 läuft am Potsdamer Platz in Berlin das Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“, für das Brussig das Libretto schrieb. Darin spielt auch die Liebe des West-Musikers zu „Mädchen aus Ostberlin“ eine Rolle. In diesem Jahr nun erschien Brussigs jüngstes Werk „Das gibts in keinem Russenfilm“. Und darin schreibt er wiederum sehr unterhaltsam und klug über eine DDR, die auch nach der Jahrtausendwende noch existierte und mit Windenergie und Elektroautos wirtschaftlich erstarken soll.

Protagonist ist der junge Autor Thomas Brussig der mit seinem Debütroman einen Sensationserfolg landet und zu einer Berühmtheit wird, weil er schwört, weder in den Westen zu reisen, noch ein Telefon besitzen zu wollen oder das Buch „Von der unerträglichen Leichtigkeit des Seins“ zu lesen, bis das nicht allen DDR-Bürgern möglich ist. Der Roman-Brussig gewinnt Preise und verdient viel Geld – für all das könne der aber nichts, sagt der Autor Brussig: „Es gibt in diesem Buch nur einen, der der Depp ist – Thomas Brussig.“

Er habe etwas getan, „was man eigentlich nicht tut“, sagt der Schriftsteller und meint seine „kontrafaktische“ Erzählstruktur. Er habe nicht nur sein Leben, sondern auch eine Entwicklung der DDR erfunden, die sie so nicht genommen hat. Auch sei der Roman eine Parodie auf das Genre Autobiographie. „Ein richtiges Leben hat jeder Depp“, sagte Brussig, „eines zu erfinden, das ist die Herausforderung.“

Launig erzählte Brussig. Er hatte charakteristische Stellen der Geschichte ausgesucht, um die Besucher in dem längst nicht ausverkauften Rathaussaal „mit dem Brussig-Sound vertraut“ zu machen. Es hätte ein gelungener  Abend sein können, den das Literarische Zentrum organisiert hatte — wenn Moderator Dicks ein wenig zurückhaltender hindurch geführt hätte.

Thomas Brussig: „Das gibts in keinem Russenfilm“, Verlag S. Fischer, 384 Seiten, 19,99 Euro.

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