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Til Mette: „Man wird als Satiriker wieder wahrgenommen“

Interview Til Mette: „Man wird als Satiriker wieder wahrgenommen“

Der Satiriker Til Mette, 2009 mit dem Deutschen Karikaturenpreis und 2013 mit dem Deutschen Cartoonpreis ausgezeichnet, hat nach dem Attentat von Kopenhagen eine „Empörungsmüdigkeit“ festgestellt. Der in Hamburg lebende Künstler sieht darin die - auch eigene - Überforderung der Gesellschaft mit den Nachrichten über grausame Mordanschläge, wie er im Tageblatt-Interview erklärt.

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Til Mette

Quelle: EF

Sie haben auf Facebook geäußert, dass die Anschläge von Kopenhagen unter ihren Kontakten in diesem sozialen Netzwerk kaum ein Thema seien und knapp die Frage „Empörungsmüdigkeit“ gestellt. Haben Sie eine Erklärung, warum das zweite Attentat so viel weniger Aufmerksamkeit auf sich zieht als die Anschläge von Paris?
Mette: Ich habe die Frage 24 Stunden nach dem ersten Anschlag gestellt, weil kaum jemand unter meinen FB-Freunden auf den Anschlag einging. Aber eigentlich habe ich die Frage deshalb gestellt, weil ich selber nicht wusste, was man nach diesem Anschlag sagen sollte. Es hat dann bei mir auf der FB-Seite eine kleine Debatte ausgelöst, die mich interessiert hat. Eine Erklärung habe ich nicht, zumal nur kurz danach die schockierende Nachricht kam, dass 24 ägyptische Kopten von IS-Terroristen bestialisch umgebracht wurden. Mich überfordert das, um darauf mit gebührendem Maß an Empörung zu reagieren und wahrscheinlich viele andere auch.

Wie beurteilen Sie die virtuelle Solidarisierungswelle in den sozialen Netzwerken nach den Anschlägen von Paris?
Diese Art der Solidarisierung ist schnell und emotional. Das hängt mit dem Medium zusammen und hat den Vorteil, dass Informationen schnell gestreut werden können. Es hat aber auch viel von einem Strohfeuer. So schnell man sich solidarisiert, so schnell ist es auch wieder vergessen.

Haben die Attentate etwas in Ihrer täglichen Arbeit verändert? Haben Sie für sich die Grenzen der Satire überdacht oder gar neu definiert?
Bislang spüre ich keine Veränderungen, außer dass man öfter in Interviews gebeten wird, Fragen zu beantworten, ob sich etwas für meine Arbeit geändert hätte.

Sie selbst zeichnen auch religionskritische Karikaturen. Hat Ihnen das schon einmal Ärger eingebracht? Haben sich die Reaktionen auf solche Bilder in den vergangenen Jahren verändert?
Es gab Leserbriefe, aber alles in zivilisiertem Rahmen. Natürlich ist die religionskritische Zeichnung in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das hat aber auch der Kunst der Karikatur sehr genutzt, und man wird als Satiriker wieder wahrgenommen. Deshalb möchte ich mich da nicht beschweren. 

Interview: Christoph Oppermann

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