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Tim Howell inszeniert "Love Stories" in Göttinger Theater-Notaufnahme

Die Welt eine Orange Tim Howell inszeniert "Love Stories" in Göttinger Theater-Notaufnahme

Die Bühne ist mit weißen Tüchern behängt. In der Mitte steht eine Art Tischchen, darauf eine Orange. Das ist die Welt, hier tummeln sich zwei putzige Kerlchen. Tim Howell vom English Drama Workshop Göttingen hat das absurd-gruselige Theaterstück "Love Stories During the Armageddon of a Citrus Fruit" von Daniel Hamilton inszeniert. Premiere in englischer Sprache war am Mittwochabend in der Notaufnahme des studentischen Theaters im OP.

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iner von zwei Freunden, noch glücklich und zufrieden: Man Two (Karin Reilly).

Quelle: Janitschke

Göttingen. Man One (Luke Slager) und Man Two (Karin Reilly) sind auf der Walz. Sie schlendern durch ihre Welt, eine Citrusfrucht mit den Ausmaßen des Erdballs. Über den Schultern tragen sie ihr Bündel. Lustige rote Bäckchen zeigen: Sie sind pumperlgesund. Mit lustigen Assoziationsspielen vertreiben sie sich die Zeit. Sie necken sich und manchmal sprechen sie mit Bäumen. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Das hat eine Ende, als J. Robert Oppenheimer in ihre Welt einbricht und Man One mit einem Alptraum infiziert.

 
Genau an dieser Stelle kippt die absurde Komödie und wird zum schauerlichen Lehrstück. Das ist verständlich, schließlich wollen Autor und Produktionsthema eine handfeste Aussage; so handfest, dass sie Oppenheimer, den Vater der Atombombe, auch nicht groß anonymisieren. Hier bricht jemand in eine heile Welt ein, indem er ihr die alles vernichtende Waffe schenkt. Aber wie auch in der realen Historie warnt der Wissenschaftler davor, sich dem Albtraum zu stellen: "Du bist noch nicht so weit." Doch wir kennen ja den Menschen und seine Einsichtsfähigkeit.

 
Vor allem von den Schauspielern Reilly und Slager lebt der Theaterabend. Slager ist manchmal ein wenig zu aufgebracht, Zwischentöne hätten hier und da gut getan. Reilly ist zauberhaft verspielt, hübsch naiv und doch so loyal. Zusammen sind die beiden ein prächtiges Team. Richard Varela hat als Oppenheimer wenig Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Seinen Part am Rande des Geschehens absolviert er solide.

 
Regisseur Howell hat sich wohl dicht an den Vorgaben des Autors bis hin zum Einsatz von drei Monitoren gegen Ende orientiert und den durch Musik- und Lichtdesign atmosphärisch aufgeladenen Abend sauber durchinszeniert. Und wer einigermaßen des Englischen mächtig ist, kann dem gerade zu Beginn sehr komödiantischen Geschehen gut folgen.

 
Weitere Vorstellungen: 5., 6., 9., 11., 12., 13., 16., 17., 19. und 20.. Juni in der Notaufnahme des Theaters im OP, Käte-Hamburger-Weg 3 in Göttingen. Karten: thop-online.de

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