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Tod und Trost

„Deutsches Requiem“ von Brahms Tod und Trost

Mit seinem „Deutschen Requiem“ hat Johannes Brahms ein einzigartiges Stück Kirchenmusik komponiert. Am Sonnabend führte die Göttinger Stadtkantorei unter der Leitung von Bernd Eberhardt das Werk in der prall gefüllten Johanniskirche auf. Das Publikum war hellauf begeistert.

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Der 120 Stimmen starke Chor singt mit Leidenschaft und Präzision.

Quelle: CH

Göttingen. Das Einzigartige an diesem Requiem ist nicht nur die Musik, sondern auch der Text. Denn Brahms hat eine ganz eigene Auswahl von Bibeltexten vorgenommen, in denen es um Tod und Trost geht. Diesem Trost verleiht Brahms ganz warme musikalische Farben, die zu der Klanggewalt, die er für göttliche Macht und Ewigkeit entfaltet, einen enormen Kontrast bilden.

Genau diese Kontraste zeichnete Dirigent Bernd Eberhardt ungemein deutlich nach und folgte darüber hinaus mit der Dynamik und den Tempi bis ins Detail der Aussage des Textes. Dort, wo „das Gras verdorret“, trocknet er gleichsam den Chorklang durch nicht gebundene melodische Linien. Bei „Freude und Wonne“ ist das Tempo ein wenig schneller als bei den Textworten „Schmerz und Seufzen“, um ein weiteres Beispiel herauszugreifen.

Diese genaue Textausdeutung hat zur Konsequenz, dass Eberhardt manche Tempi deutlich schneller nimmt, als sie sonst gesungen werden. Aber das ist überhaupt keine Effekthascherei. Im Gegenteil: So wurde diese Aufführung überaus lebendig, mitreißend, hier mit erhabener Größe, dort mit warmer Menschlichkeit.

Darin folgte ihm der sehr sorgfältig vorbereitete, etwa 120 Stimmen starke Chor mit Leidenschaft und Präzision. Der Chorklang war geschmeidig, transparent und leuchtkräftig, die Artikulation war vorbildlich. Eine solche Qualität ist beileibe nicht alltäglich.

Andreas Scheibner sang seine Bass-Solopartie wunderbar souverän und stimmschön. Im Sopransolo zeigte Claudia Barainsky schöne helle Farbwerte - vielleicht hätte man sich einen etwas runderen Stimmklang und weniger gleitende Übergänge zwischen den Tönen wünschen können.

Das Göttinger Symphonie-Orchester war sichtlich animiert durch die lebendige Interpretation des Dirigenten und spielte mit gleicher Leidenschaft wie die Choristen sangen. Das gilt auch für die klug ausgewählte instrumentale Einleitung des Abends, die „Tragische Ouvertüre“ von Brahms, deren erhabener Ton mit dem Requiem verwandt ist. Viele Besucher spendeten zum Schluss Standing Ovations.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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