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„Tom Sawyer & Huckleberry Finn“ im Deutschen Theater in Göttingen

Uraufführung „Tom Sawyer & Huckleberry Finn“ im Deutschen Theater in Göttingen

„Ich habe das Buch früher mindestens zehnmal gelesen“, sagt ein Premierenabonnent nach der Vorstellung im Deutschen Theater (DT). Andere erzählen von der Spannung, wenn die Geschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn vorgelesen wurden, abends, im Bett. Kaum jemand, der sie nicht kennt. Im Deutschen Theater hatte jetzt eine Bühnenadaption des Stoffes Uraufführung.

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Schelmenstück: die zwei Toms (Moritz Schulze, hinten links, und Florian Eppinger, hinten rechts) schauen den stummen Zwillingen (Elias Heintz, Vera Eppinger), Pit Harper (Laurenz Wittmer), Ben Rogers (Lynn Ebert) und Amy Lawrence (Yanthe Glienke) (v. l.) beim Zaunstreichen zu.

Quelle: Nickel

Göttingen. Die Geschichte von Tom Sawyer, 1876 von Mark Twain geschrieben, hat der in Göttingen geborene Autor John von Düffel, Jahrgang 1966, zu einem Bühnentext verarbeitet. Die Musik dazu schrieb Kurt Weill (1900-1950) kurz vor seinem Tod. Bei der Uraufführung führte jetzt Lilja Rupprecht Regie. Sie arbeitet häufig am Deutschen Theater in Berlin, wo von Düffel Schauspieldramaturg ist.

Die wichtigsten Abenteuer, die der Teenager Tom Sawyer erlebt, sind eingegangen in die Bühnenfassung. Tom muss den Zaun an Tante Pollys Haus streichen und kommt so clever darum herum. Er lernt Becky kennen, beobachtet den Mord nachts auf dem Friedhof, kümmert sich um Muff Potter, der, falsch verdächtigt, im Gefängnis sitzt.

Er fürchtet sich vor Indiana Joe, der auf der Flucht ist und macht sich mit Huck und einem Freund auf dem Mississippi davon. In der Douglas-Höhle verirrt er sich mit Becky, mit Huck findet er dort den Schatz. So weit, so vertraut. Doch von Düffel hat dem jungen Tom einen erwachsenen Tom an die Seite gestellt. Der trauert um seine Ehefrau Becky, die viel zu früh gestorben ist.

Wissen um richtig und falsch

Denn in der DT-Produktion geht es nicht nur um Abenteuer, es geht auch um das Entdecken der ersten Liebe, um die Bedeutung von Freundschaft und Loyalität, um das Wissen um richtig und falsch und schließlich auch um Verlust. Wohl deswegen empfehlen die DT-Verantwortlichen das Stück auch erst für Besucher ab 13 Jahren.

Der Kunstgriff mit den beiden Toms funktioniert prächtig, weil Moritz Schulze als Heranwachsender und Florian Eppinger als jener Tom, der sich erinnert an die Zeit damals, grandios harmonieren. Beide spielen großartig, oft bringen sie sich gegenseitig zum Glänzen. Moritz von Berlepsch ist ein sehr körperlich agierender Huckleberry, allerdings mit arg viel Aggressivität ausgestattet.

Felicitas Madl ist eine enorm präsente Becky voller Liebe. Ronny Thalmeyer leidet als Muff Potter zum Steinerweichen. Paul Wenning gibt seinen Richter Thatcher sehr streng und Mutter Harper wundervoll trauernd. Und Bernd Kaftan, eigentlich im Ruhestand, wurde reaktiviert und spielt wortgewaltig predigend urkomisch den Pfarrer.

Rauschender Beifall

Über das Ziel hinaus schießt Katharina Uhland, die der Witwe Douglas psychopathische Züge verleiht. Das gibt der Text nicht her.

Regisseurin Rupprecht hat die Geschichte mit gutem Auge sehr präzise auf die Bühne gebracht. Sie erzählt sie schlüssig und stolperfrei, und das Ensemble schafft mit viel Überzeugungskraft Räume, wie die Douglas-Höhle, die das Bühnenbild von von Anna Ehrlich gar nicht vorsieht.

Zwischen wechselnd sich senkenden und hebenden Wänden sitzt das spielfreudige und sehr verlässliche Orchester und spielt die typischen Weill-Lieder. Ein praller zweistündiger Theaterabend, der vom Publikum mit rauschendem Beifall bedacht wurde.

Die Vorstellungen im Oktober: 4., 7., 10., 21., 24. und 29. Oktober um 19.45 Uhr. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.
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