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Tragische Liebe zur „schönen Müllerin“

Liederzyklus Tragische Liebe zur „schönen Müllerin“

Franz Schuberts tragischen Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ haben am Sonnabend Mathias Schlachter (Tenor) und Bernd Eberhardt (Klavier) in der Göttinger Johannis-Kirche aufgeführt. 150 Zuhörer folgten gebannt dem Schicksal des unglücklich verliebten Handwerksburschen.

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Tragischer Liederzyklus: Mathias Schlachter (Tenor) und Bernd Eberhardt (Klavier) in der Göttinger Johannis-Kirche.

Quelle: Schneemann

Göttingen. Mit sanfter, klarer Stimme sang Schlachter die herzergreifende Geschichte, die Schubert (1797-1828) in 20 Liedern erzählt. Die gute Akustik der gotischen Rats- und Marktkirche trug auch die pianissimo, ganz leise, gestalteten Passagen. Eindrucksvoll meisterte der Tenor die Bandbreite der Tonhöhen, die Schubert Sängern abverlangt. Da waren die sehr tiefen Töne des Liedes „Der Jäger“. Gegen Ende des Konzerts, nach 17 strophenreichen Stücken, ging es noch einmal ganz in die Höhe.

„Die schöne Müllerin“ ist neben der „Winterreise“ Schuberts zweiter großer Liederzyklus. Darin vertonte er Wilhelm Müllers (1794-1827) Gedichte über eine unerwiderte Liebe. Voller Lebensfreude lässt Schlachter den Gesellen zu Beginn „Das Wandern ist des Müllers Lust“ schmettern. Der Handwerksbursche verfällt an seinem neuen Arbeitsort der Tochter seines Chefs. Dem plätschernden Bach, der das Mühlrad antreibt, gesteht der junge Mann seine Gefühle.

Voller Freude ist das Lied „Am Feierabend“. Ungeduldig vermerkt der Geselle im nächsten Stück „Sie merkt nichts.“ Es folgen erste Tränen. Der junge Mann rafft sich wieder auf, versucht die Liebe zu erzwingen. Kurz wendet sich die schöne Müllerin ihm zu, Hoffnung keimt auf.

Bevor dann der tragische Teil den Sänger voll forderte, gönnte ihm Eberhardt ein paar Minuten Auszeit. Der Pianist spielte Impromptu in es-Moll, D 946, 1, aus Schuberts Spätwerk. Das passte von der Simmung gut. In der zweiten Hälfte tritt dann der Nebenbuhler des Müllerburschen auf, der Jäger. Bedrohlich tief ging Schlachter mit der Simme herunter. Eberhardt entlockte seinem Instrument Jagmotive. Eiferschüchtig begehrt der Liebende auf, hebt den moralischen Zeigefinger, erklärt das Verhalten der Geliebten für unschicklich. Die fürs Leben stehende Farbe Grün wird für den Gesellen zur „bösen Farbe“ des Rivalen.

Es folgt das düstere Finale. Mit Grabesstimme ließ Schlachter den erstarrten jungen Müller in e-Moll über „Trockne Blumen“ singer. In tiefer Depression steigt der Zurückgewiesene in den Mühlbach. Der Zyklus endet in E-Dur. Diese Tonart erklingt in der Kirchenmusik, wenn es um die letzten Dinge geht. Als Zugabe gab es noch ein Schubert-Lied „Du bist die Ruh“.

Tenor Schlachter ist ein alter Bekannter von Eberhardt. Als letzterer im Jahr 2000 Kantor in Göttingen wurde, holte er Schlachter das erste Mal als Solist in die Johanniskirche ein: für die Johannespassion. Seither tritt der Sänger dort regelmäßig auf. Seit 2009 kommt er zudem zweimal in der Woche aus dem südhessischen Offenbach, um D- und C-Kirchenmusiker auszubilden.

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