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Traurig, lustig, exklusiv: Ben-Schadow-Band im Göttinger Nörgelbuff

Traurig, lustig, exklusiv: Ben-Schadow-Band im Göttinger Nörgelbuff

Es ist schon traurig, wenn auf jeden Musiker nur zwei bis drei Gäste kommen. Das ist andererseits auch schön, gibt es jedem Zuhörer doch auch das Gefühl von Exklusivität. Die Ben-Schadow-Band – vier Musiker – hat am Dienstagabend im Nörgelbuff ein ebenso trauriges wie lustiges Konzert gegeben.

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Im Nörgelbuff: Ben Schadow (links) und Pele Caster.

Quelle: Garbs

Göttingen. Schadow ist schon eine Erscheinung. Schwergewichtig, schwarz gewandet mit Hut, langem Bart und langen Haaren, beides leicht angegraut. Er ist 38 Jahre alt und schon lange im Musikgeschäft. Er arbeitet als Bassist und Produzent bei und für Bernd Begemann, auch mit Dirk Darmstädter arbeitet der Musiker seit langem zusammen. Im Jahr 2012 erschien sein erstes Soloalbum mit dem Titel „Liebe zur Zeit der Automaten“, 2014 dann das neue Album „Dr. Eskapismus“ (an dem wiederum Musiker der Band Erdmöbel mitwirkten). Am Mittwoch spielte Schadow Songs aus beiden Alben für die Göttinger. Eines haben fast alle seiner Lieder gemeinsam. Sie handeln vom Scheitern: Herzen aus Holz, Lächeln, das wie Eis klirrt, und der Traum vom eigenen Tod.

Die Songs dazu: etwas undefinierbar. Popsongs, manchmal etwas kapriziös, mal mit Retro-Attitüde, manchmal auch schlicht, immer mit Gitarre, Bass, Keyboard (oder Xylophon) und Drums arrangiert. Die depressiven Texte und Schadows launige Ansagen stehen in einem leicht verwirrenden Kontrast. Macht nichts, hier kennen sich ja heute alle. Die Band stellt sich vor, und dann stellt sich auch das Publikum vor. Zehn Namen kann sich jeder merken, und so wird es auch mental etwas kuschelig. Ein Gast Namens Hades bekommt gleich den dritten Song gewidmet (den, in dem es um Medusa geht). Es folgt „das traurigste Lied, das ich je geschrieben haben, Gnade trägt man in Särgen“, sagt Schadow und fuchtelt mit den Fingern.

So depressiv wie seine Songs ist er nicht immer, er liebt es, Unfug zu erzählen. Über seine Musiker zu Beispiel. Pele Caster, eigentlich Stefan Gätzer und Bassist bei Klee, wird in seinen kleinen Moderationen zum Jungen, der auf einem Frachter aufwuchs und nun eine Musikschule in Dortmund betreibt. Keyboarder Florian Jakob, unübersehbar nordisch blond, wird zum Kind zweier kleiner Asiaten, Schlagzeuger Markus Baier zum Knast-Insassen. Schadow fabuliert, unterhält sich mit dem Publikum und unterhält es. „Alles aktive Musikverfolger hier“, konstatiert er, nachdem er die jüngsten CD-Käufe seiner Zuhörer abgefragt hat. Wie professionell die Musiker agieren, zeigt sich auch in den Zugaben, als die Melodien Fahrt aufnehmen. Fast zwei Stunden spielen die vier für zehn. „Ihr seid nicht viele, aber gerade deshalb habt ihr es verdient“, sagt Schadow.

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