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"Vonne Endlichkait"

Treffen der Grass-Übersetzer "Vonne Endlichkait"

"Dann lasst euch etwas einfallen", mit diesen Worten hat Günter Grass die Übersetzer seiner Romane und Gedichte oftmals motiviert. In Göttingen waren in dieser Woche einige zum Arbeitstreffen im Steidl Verlag, um an Übersetzungen für das Grass-Werk "Vonne Endlichkait" zu arbeiten.

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Literaturnobelpreisträger Günter Grass (1927-2015)

Quelle: epd

Göttingen. 2015 ist der Band mit Gedichten, Kurzgeschichten und Zeichnungen erschienen. Grass hat auch dieses Werk wie immer auch mit Blick auf die Herstellung begleitet, aber den Erscheinungstermin nicht mehr erlebt. Am 13. April 2015 starb der Literaturnobelpreisträger im Alter von 87 Jahren. "Er fehlt uns", sagt Per Øhrgaard aus Dänemark. Er und Oili Suominen aus Finnland sind in der Runde der Übersetzer und Lektoren diejenigen, die am längsten mit Grass zusammengearbeitet haben.

Der Schriftsteller habe "immer laut geschrieben", erklärt Lektor Dieter Stolz, der das Göttinger Arbeitstreffen mit Susanne Höbel moderierte. Und den Übersetzern hat er seine Texte vorgelesen. Das fehle nun. Von dem Band "Vonne Endlichkait" gebe es auch kein Tondokument. Grass sei es immer gelungen, "den Rhythmus eines Textes zu vermitteln und wie Form und Inhalt zusammenkommen", so Stolz.

Grita Löbsack hat die spanische Übersetzung bearbeitet. Im Spanischen höre sich Dialekt, wie er "Vonne Endlichkait" prägt, immer gleich andalusisch an. Das aber wolle sie nicht vermitteln. In "De la finitud" hat sie deshalb den charakterischen Grass-Sprachklang auf andere Art herausgearbeitet: das im Spanischen oft verwendete q durch ein k ersetzt. Übersetzerin Suominen erklärt, Dialekt sei in den Griff zu bekommen:

"Ich schreibe so dialektgetreu wie möglich, achte aber darauf, dass der Rhythmus bleibt." Und so seien die Treffen auch dazu da, sich auf eine Art Grundsprache zu verständigen. In Göttingen, wo die Grass-Werke seit 1993 im Steidl  Verlag erscheinen, nahmen in dieser Woche sieben Übersetzer teil, drei verfolgten Online die Debatten. Und Hilke Ohsoling protokollierte wie immer die Ergebnisse, um sie anschließend allen Übersetzern zugänglich zu machen.

1978 hat Grass erstmals seine Übersetzer zu so einem Arbeitstreffen eingeladen; damals erschien "Der Butt". Für jedes neue Buch gab es ein Übersetzertreffen. In Frankfurt, im  Wohnort von Grass in Behlendorf oder auch in Danzig  kamen die Übersetzer zusammen. 1992, zur Bearbeitung von "Unkenrufe", wurde ein Erinnerungsfoto in Lübeck gemacht -mit 20 Übersetzern vor dem Buddenbrookhaus.

Üblich sind solche Treffen nicht. Umberto Ecco hat seine Übersetzer auch eingeladen, um seine Werke mit ihnen zu besprechen, weiß Boris Cheblnikov. Er ist für die russischen Übersetzungen zuständig und hat Endlichkait mit dem russischen Wort für Vergänglichkeit übersetzt. Ecco habe aber nicht die Geduld für Arbeitstreffen über mehrere Tage gehabt, meint Cheblnikov. Dass Grass aufforderte, "dann lasst euch etwas einfallen", sei auch auf seine Ausbildung als bildender Künstler zurückzuführen, meint Øhrgaard: "Er hat Kunst auch als Handwerk begriffen" - und seinen Übersetzern Freiheit gelassen.

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