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Trostbilder und Glücksmomente

Erwin Grosche im Alten Rathaus Trostbilder und Glücksmomente

Die Zeit heilt alle Wunder“ heißt es in einem Song der erfolgsverwöhnten deutschen Band „Wir sind Helden“ über das Erwachsenwerden. Es gibt aber mindestens einen Erwachsenen, für den das nicht gilt:

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Erzählt von Schmetterlingen, die bei Grün über die Kreuzung fliegen: Kabarettist Erwin Grosche.

Quelle: Theodoro da Sila

Erwin Grosche. Der Kabarettist in seinem altmodischen Anzug mit einem einzelnen roten Knopf in der Mitte kann sich trotz seines nicht mehr kindlichen Alters wundern – und wie: über den Schmetterling, der mit ihm bei Grün über die Kreuzung fliegt zum Beispiel, „könnte der doch bei Rot machen!“, über seine Kaffeemaschine mit ihrem doch sehr überschaubaren Aufgabenbereich, „die Blockflöte unter den Küchengeräten“, und den guten alten Spannbettbezug, der „neben der anderen sauber gefalteten Wäsche wie ein Hippie herumliegt“.

Auch die Zuschauer im Alten Rathaus wundern sich über diesen Mann mit kindlichem Gemüt, den man ganz schnell einfach gern haben muss. Mit zumeist weit aufgerissenen Kulleraugen spricht er über eine Welt, die für ihn vor allem eine riesige Spiel- und Experimentierwiese zu sein scheint und die reichlich Anlass zum Philosophieren und Fabulieren gibt. Dies tut er verbal, aber auch rhythmisch und musikalisch.

Dabei kommt Grosche ganz ohne den sich im Kabarett häufenden schlüpfrigen Humor oder bissige Seitenhiebe gegen die Politik aus. Er hat es sich in seinem Programm „Der Eisgenussverstärker“ vielmehr zur Aufgabe gemacht „Trostbilder“ und „Glücksmotive“ aufzuzeigen. Ein Höhepunkt ist zweifelsohne die Peter Sloterdijk-Entspannungstasche. Die heißt schlichtweg so, weil Grosche gleich mehrere Schriften des deutschen Philosophen – in jeder Hinsicht schwergewichtig – in eine simple Einkaufstasche steckt, die er sich anschließend um den Kopf hängt. Man solle sich so zum Beispiel an die Fleischtheke im Supermarkt stellen, da werde man dann gleich ganz anders wahrgenommen.

Zum Brüllen komisch ist es – und brüllend gelacht wird auch im Publikum –, als Grosche durch „die Aktivierung der 17 Muskeln im Gesicht, die zum Lachen nötig sind“ die Tasche gesichtsabwärts befördert.

„Es ist wunderbar! Erst sieht man nichts, dann hört man nichts, schließlich kann man nichts mehr sagen. Das ist herrlich entspannend!“ Er freut sich. Und dann philosophiert der Paderborner wieder, über die Schönheit von Plastik als Akronym: „Paderborner lachen auch, seltsam tönt ihr Kichern“. Und sein Bekannter lebe seit langem in einer glücklichen Beziehung mit einer Plastikpuppe.

Von Marie Varela

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