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Ulla Meinecke & Band in der Musa

Zeitlose Liedkunst Ulla Meinecke & Band in der Musa

Zuletzt war sie vorwiegend zu musikalischen Lesungen unterwegs. Das nach wie vor große Interesse an ihren Liedern hat Ulla Meinecke darin bestärkt, mit diesen zeitlosen Kompositionen erneut auf Tour zu gehen. Ihre neu formierte Band trat nun mit Karin Bender & The Reason in der Musa Göttingen auf.

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Ulla Meinecke in der Musa Göttingen

Quelle: PH

Göttingen. Seit mehr als dreißig Jahren ist die heute in Berlin lebende Sängerin, Dichterin und Autorin fester Bestandteil der deutschen Kulturszene. Gemeinsam mit den Multi-Instrumentalisten Ingo York und Reinmar Henschke hat sie ein neues Programm zusammengestellt, mit dem sie seit 2013 unter dem Titel „Wir waren mit dir bei Rigoletto, Boss!“, ein Filmzitat aus „Manche mögen's heiß“, unterwegs ist.

Eröffnet wird der Abend von der Göttinger Sängerin und Gitarristin Karin Bender. Im Trio mit Michael Mau an der Gitarre und Martin Tschoepe an E- und Kontrabass präsentierte sie entspannte Roots- und Country-gefärbte Songs mit englischen Texten.

Witz und philosophischer Tiefgang

Flankiert von York an E-Bass, Gitarre und kleinem Schlagwerk und Henschke hinter einem mehrstöckigen Keyboardaufbau betritt Meinecke die Bühne. Sie ist immer noch eine scharfsinnige Beobachterin und Geschichtenerzählerin. Kritisch beobachtet sie die Flut von Bildern im digitalen Zeitalter wie auch das allseits präsente äußere Auge in Verbindung mit Handyfotos und dem damit verbundenen Druck auf Jugendliche. Augenzwinkernd fügt sie hinzu, dass junge Menschen heutzutage den 30. Geburtstag schon für eine Nahtod-Erfahrung hielten. Und Anti-Aging-Mittel seien ein ähnlich erfolgversprechendes Konzept wie Katzenklappen an einem U-Boot.

Mit Witz und philosophischem Tiefsinn führt sie ihre Lieder ein. „Schlendern ist Luxus“, „Süße Sünden“, „50 Tipps“, „Lieb ich dich zu leise“ oder „Hafencafé“ erweisen sich als zeitlose deutschsprachige Liedkunst. „Zu alt“ wartet mit modernen Grooves, leichter Rap-Einlage und selbstironischen Textstellen wie „...mit mir zu reden ist wie Nekrophilie, mein Gesicht ist was für ARTE, aber nix für MTV...“ auf. In ihrer Notfallapotheke habe der Meister des Trostes Tom Waits seinen festen Platz. Sein frühes Werk „Grapefruit Moon“ kommt als schöne, schwelgerische Ballade zu Henschkes Pianobegleitung. Ihre heilige Dreifaltigkeit sei Schlaf, Musik und Liebe, so Meinecke. „Schlaf“ ist ihr letztes Lied des Abends.

Unter großem Beifall kommt sie mit „Bis ans Ende der Welt“ zu Ehren ihres alten Freundes Udo (Lindenberg) zurück und lässt auch die „Tänzerin“ wiederaufleben. Mit „Übers Meer“ zum Gedenken an ihren langjährigen Begleiter Rio Reiser endet ihre bewegende Reise.

Von Jörg Linnhoff

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