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Schnulzen und andere persönliche Lieder

Sommerkonzert im Nörgelbuff Schnulzen und andere persönliche Lieder

Angekündigt war der Abend als ein Sommerkonzert von Ulrich Lochow mit Freunden. Da Letztgenannte teilweise ausfielen, wurde es ein Doppelkonzert der Göttinger Singer-Songwriter Lochow und Henrik tom Dieck, die im Nörgelbuff beide jeweils ein Set mit deutschsprachigen Liedern zum Besten gaben.

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Henrik tom Dieck

Quelle: Linnhoff

Henrik tom Dieck machte den Anfang. Er ist inzwischen ein bekanntes Gesicht in der Göttinger Musikerszene. Als Bassist von Tom Schreibers Blume hat er gerade mit der Band den Local Heroes Wettbewerb gewonnen und stand auch schon häufiger auf der Bühne des Nörgelbuffs.
Lochow und tom Dieck sind offenbar befreundet. Mit einem Augenzwinkern bezeichnet Letzterer ihre Musik als „Garagenpop“, da sie diese in ungewohnten Räumen fernab von Studios in Duschen oder Schlafzimmern mit einfachen Mitteln aufnehmen würden. Als Singer-Songwriter fühle er sich der Schnulze verpflichtet, erzählt Dieck und beginnt mit einem Liebeslied. Diesem lässt er prompt ein schnelles lustiges, teils sehr ironisches Stück folgen. Dazu begleitet er sich auf seiner halbakustischen Gitarre und erweist sich auch als ganz passabler Gitarrist. Bei seiner Abfrage, ob Schnulze oder nicht, erteilt das Publikum der Schnulze eine klare Absage.
Es geht in seinen Texten um Sonne oder Mond, um Metaphern für Licht und Schatten im Leben. „Trübe Tage, trübe Nächte“ hat er alle satt. Es gibt ein trauriges Lied über den Tod, dem er passend einen in englischer Sprache gesungenen Blues folgen lässt. Sein „Sommeranfang“, den es auch als Video im Netz gibt, schunkelt gelassen vor sich hin. Nach dem stimmungsvollen „Längst nach Mitternacht“ über Leute, mit denen er nachts rauchend und trinkend an der Theke abhängt, gibt tom Dieck das Zepter an Lochow weiter.
Während sich tom Dieck sehr souverän und unterhaltsam auf der Bühne gibt, macht Lochow einen eher zurückhaltenden Eindruck. Dies sei nach anderthalb Jahren offener Bühne sein erstes selbst organisiertes Konzert und er sei sehr geflasht und stolz, erzählt Lochow. Reden sei noch nicht so sein Ding auf der Bühne und so bleibt es meist bei nur kurzen Ankündigungen der Songtitel.
Sitzend, mit kräftiger tiefer Stimme, trägt er seine Lieder vor und begleitet sich dabei mit sehr dynamischem Anschlag auf seiner akustischen Gitarre. Lochow scheint ein Romantiker zu sein. „Mit den Wölfen“, „Gold oder Orange“ oder „So leicht“ lauten Titel seiner Songs, mit Inbrunst gesungen. Er will „frei wie der Wind sein“ während seine Träume „...zwischen den Wolken fliegen“, hat ein „Löwenherz“ wenn es um die wahre Liebe geht und in seiner Beziehung leuchtet es „In allen Farben“.
Mit Hilfe von tom Dieck habe er einen Teil seiner Lieder an einem heißen Tag im Badezimmer aufgenommen und noch schnell auf CDs gebrannt, die er für eine Spende oder auch so anbietet. „Ich vergesse wer ich bin“ ist sein neuster Song. Tragend und poetisch kommen seine Lieder daher. Bei vielen deutschsprachigen Liedermachern stellt sich jedoch bei genauer Betrachtung der Texte immer wieder die Frage, wie weit sie eigentlich von der heutigen Schlagerkultur entfernt sind.
Mit ganz zarten Klängen und dem wohl schönsten Stück des Abends „Schmetterling“ lässt Lochow seinen Vortrag ausklingen, um sich dann in einer letzten Zugabe noch auf die Suche nach „Entschleunigung“ zu machen.
Ein unterhaltsamer Abend mit Luft nach oben, der von dem scheinbar vorwiegend aus Freunden und Bekannten der Musiker bestehenden Publikums mit großem Applaus bedacht wird.

Von Jörg Linnhoff

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