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Ulrich Peltzer liest im Literarischen Zentrum

Im Dschungel der Assoziationen Ulrich Peltzer liest im Literarischen Zentrum

Ulrich Peltzers fünfter Roman „Das bessere Leben“ vereint Wirtschaft und Geschichte, vermischt Vergangenheit mit Gegenwart. Der Autor und Träger des Heinrich-Böll-Preises war zu Gast im Literarischen Zentrum und hat im Gespräch mit Ekkehard Knörer sein jüngstes Buch vorgestellt.

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Quelle: Pförtner

Göttingen. Peltzer braucht nur wenige Sätze, um Verwirrung zu stiften. Der Leser und auch der Zuhörer merkt sehr schnell: Das ist kein Buch zum Nebenbeilesen. „Ich wollte in einer Parataxe von der Gegenwart in die Vergangenheit wechseln können, um zu zeigen, dass bestimmte Dinge als Problem nicht vergangen sind. Man kann auf der Oberfläche des Textes floaten“, beschreibt der studierte Diplom-Psychologe seinen Schreibstil.

Die Idee für „Das bessere Leben“ ist schon 15 Jahre alt. Damals habe er einen Wirtschaftsroman über Spekulanten schreiben wollen. „Diese Grauzone interessiert mich“, erklärt er. Der Roman handelt von den Revolutionären des 20. Jahrhunderts, die jetzt in einer kapitalistischen Welt leben, bar jeder Utopien. Die Protagonisten sind Sales-Manager und Investoren.

Der Roman hat keinen Erzähler. Das interessiere ihn nicht, sagt Peltzer. Er will nachvollziehbar machen, woher die Figuren seines Romans ihre Informationen beziehen. „Ich will keine billigen Realitätseffekte erzielen. Das sind banale Authentizitätsbezeugungen“, meint der Schriftsteller. Er wolle nicht die Orte der Handlung googeln und sie anschließend in derselben Weise beschreiben, um den Eindruck zu erwecken, möglichst real zu schreiben.

Zum Schreiben brauche er einen Affekt, der ein starkes Gefühl in ihm auslöse. Andernfalls habe er keinen Ansporn, in die Recherche einzusteigen. „Ich muss den Punkt erreichen, an dem ich mit den Figuren verschmelze. Sie drücken etwas aus, was ich vielleicht nicht kann, bewundere oder verachte“, beschreibt Peltzer seinen kreativen Prozess.

„Fleming ist ein Schwein, ein Verbrecher. Aber nur ein Schwein als Schwein vorgeführt zu bekommen, finde ich nicht prickelnd. Mich interessiert da eher, ob er eine affektive Seite hat, die ich unerwartet finde“, antwortet Peltzer auf Knörers Frage, weshalb er seine Protagonisten am Ende des Buches nicht entlarve oder zerstöre. Ein Buch, das 100 Prozent Aufmerksamkeit verlangt, sonst verläuft man sich schnell im Dschungel der Assoziationen.

Von Jorid Engler

Ulrich Peltzer: Das bessere Leben, Fischerverlage, 448 Seiten, 22,99 Euro.

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