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Und immer schwingt etwas Bitterkeit mit

Premiere Und immer schwingt etwas Bitterkeit mit

Immer wenn es dunkel wird, werden neue Möglichkeiten geboren“, sagt die Radiomoderatorin. 15 junge Menschen bereiten sich derweil irgendwo in der Stadt auf die Nacht vor: Zu hören ist nur das leise Schrubben ihrer Zahnbürsten. Wenn der neue Tag anbricht, werden Beziehungen gescheitert sein, ein Haus ist besetzt, Exzesse werden Wunden hinterlassen haben, und die Einsamkeit hat ihr hässliches Gesicht in Selbstzweifeln und Panikattacken gezeigt.

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Blitzende Zähne für die Nacht: Rebekka Nolte und ihre Kollegen vom Jugendclub des Deutschen Theaters.

Quelle: Winarsch

Keine großen Katastrophen, eher tragische, banale oder groteske Zwischenfälle zeigt das Stück „Nachttanken“ mit dem der Spielclub am Freitagabend seine Premiere im Studio des Deutschen Theaters gefeiert hat. Die jungen Frauen zwischen 16 und 22 Jahren haben das Stück unter der Leitung des Theaterpädagogen Mirko Schombert selbst erarbeitet. Herausgekommen ist ein Multi-Charakter-Spiel in Anlehnung an Robert Altmans Film „Short Cuts“. Mit dem Unterschied, dass sich die Geschichten der Nachtschwärmer bei „Nachttanken“ weder berühren noch zufällig überschneiden. Die Klammer bilden allein die Radiomoderatorin mit ihrer nächtlichen Talkshow und eine Partyfotografin.

„Nachttanken“ dauert gut eine Stunde. Die Zeit zwischen drei und vier Uhr in der Nacht, die Zeit, die man Wolfsstunde nennt und in der man sich am einsamsten fühlt. 60 Minuten, in denen aus vielen kleinen Lebenssituationen ein Gesamtbild entsteht, das nicht nur Details zeigt, sondern eine ganze Generation beschreibt, wie sie die Nacht verbringt, wie sie tickt. Mal mit Glücksversprechen, Abenteuer, Konsum oder totaler Leere, und immer schwingt etwas Bitterkeit mit. 

Beeindruckend im Spiel Britta Nienke als Paula: Wie ein Quadrat im Kreis eckt sie immer wieder an, selbstzerstörerische  Wut gipfelt schließlich in Aggression. Ein Paar, das sich zufrieden vor der Glotze anschweigt: Sarah Meiners und Ann-Christin Karneboge leben in der Welt der Simpsons und seichten Liebesfilme.

Von der Nacht verschluckt

Lavina Dames, Anne Eigner, Susanne Wagemann und Louisa Well langweilen sich als Hausbesetzterinnen und resümieren: „Vielleicht ist die Idee der Hausbesetzung ja auch überholt.“

Viele kleine Episoden  tauchen im Dunkeln auf und werden kurz drauf wieder von der Nacht verschluckt. Kurzweilig, unterhaltsam und nachdenklich.

Wieder am 15., 22. und 23. Juni, Jeweils um 20 Uhr im Studio des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11 in Göttingen. Karten unter Telefon 0551/ 496911.

Von Eida Koheil

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