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Ungleichheit bedroht Gesellschaft

Literaturherbst Ungleichheit bedroht Gesellschaft

Wahrscheinlich hätten es nicht viele Wirtschaftswissenschaftler geschafft, mit einer Lesung das Deutsche Theater (DT) zu füllen. Dem Nobelpreisträger Joseph Stiglitz gelingt es – mit der Vorstellung seines Buches „Der Preis der Ungleichheit. Wie die Spaltung der Gesellschaft unsere Zukunft bedroht“.

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Humorvoll und sympathisch: Joseph Stiglitz.

Quelle: Heller

Dabei nimmt er sich eines brisanten Themas an, das Wirtschaft und Politik aufrütteln soll. Das DT-Publikum hat er auf seiner Seite. „Die Ungleichheit ist in den vergangenen 30 Jahren in den USA wie auch in anderen modernen Staaten rasant angewachsen“, erklärt der sympathisch wirkende Professor für Volkswirtschaft, der an der Columbia University in New York lehrt. Immer mehr Geld wandere zur Spitze – dem einen Prozent – während die Mittelschicht sich auflöse und die Armut zunehme. Diese Problematik analysiert der einstige Wirtschaftsberater der Clinton-Regierung und ehemalige Chefvolkswirt der Weltbank und zeigt Auswege auf.

Laut den Befürwortern eines unregulierten Marktes sei die Konsequenz der Zunahme des Reichtums an der Spitze, dass dieser durch Investitionen zum Wohlstand der gesamten Gesellschaft führe. „Ich hoffte, das würde funktionieren – denn wir geben so viel nach oben, dass es uns ziemlich gut gehen müsste“, meint Stiglitz humorvoll. Die Gründe für die Ungleichheit seien verschiedene: unregulierte Märkte, in denen Monopol-Unternehmen den Wettbewerb unterdrücken, ungedeckte Kreditvergaben, die Finanzblasen erzeugen, unzureichende progressive Besteuerung, bei der die obere Schicht nicht ausreichend zur Verantwortung gezogen werde, und politisch erwirkte Privilegien.

„Wenn Amerika realisieren würde, was gerade passiert, könnte es die Richtung ändern hin zu einer gerechteren Gesellschaft“, ist Stiglitz überzeugt. Die USA hätten bereits zweimal eine solche Krise überwunden – in der „progressiven Ära“ um 1900 und im „New Deal“ der 30er Jahre.

Joseph Stiglitz: „„Der Preis der Ungleichheit“. Siedler, 512 Seiten, 24,99 Euro.

Von Noreen Hirschfeld

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