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Universitätschor führt Rossinis „Petite Messe Solennelle“ in der Johanniskirche Göttingen auf

Gefühle wecken Universitätschor führt Rossinis „Petite Messe Solennelle“ in der Johanniskirche Göttingen auf

„Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles.“ So zurückhaltend hat Gioachino Rossini von seiner „Petite Messe Solennelle“ gesprochen. Am Sonntag hat der Göttinger Universitätschor unter der Leitung von Ingolf Helm dieses anrührende Werk in der Johanniskirche aufgeführt.

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Quelle: Heller

Göttingen. Sonst klingen Messvertonungen eher ehrfurchtgebietend. Rossini macht es anders. Er reduziert die Begleitung  auf Klavier und Harmonium, baut (so gut wie) keine komplizierten polyphonen Strukturen, sondern tut das, was er als Opernkomponist besonders gut kann: Gefühle wecken.

Dafür sind der Chor und die vier Gesangssolisten gleichermaßen zuständig. Schön homogen und ausgewogen war der Chorklang. Die Frauenstimmen könnten noch mehr Kern besitzen: So klangen Pianostellen bisweilen etwas flach. In längeren Forte-Passagen wäre sicher noch eine größere Lebendigkeit im Ausdruck möglich gewesen. Frisch und bemerkenswert sicher gestalteten die Choristen den kompliziertesten Satz dieser Messe, das polyphone „Cum sancto spirito“.

Sehr ausgewogen war das Solistenquartett besetzt. Theresa Sommer ließ ihren flexiblen, höhenfreudigen Sopran strömen, was besonders in der Crucifixus-Arie zutage treten konnte. Uwe Gottswinter besitzt einen schön hell timbrierten Tenor und hatte nur anfangs kleine Schwierigkeiten in den höchsten Lagen. Das sichere Fundament bot der junge Bariton Jean-Christophe Fillol, der in letzter Minute für einen erkrankten Kollegen eingesprungen war.

Für den solistischen Glanzpunkt sorgte die Altistin Anna Bineta Diouf, die im Ensemble ganz zurückhaltend sang, im finalen Agnus Dei aber eine derartige Breite der Ausdrucksskala vorführte, dass man gebannt, ja atemlos lauschte. Das reichte bis hin zu hochdramatischen Ausbrüchen mit großer, dennoch stets gezügelter metallener Stimmgewalt, mit der sie sich mühelos gegen das Chor-Tutti durchsetzen konnte.

Sehr souverän und ausdrucksstark erwies sich die koreanische Pianistin Gi Ru Jang, die selbstbewusst dieser Aufführung entscheidende musikalische Impulse gab. Christopher Weik am Harmonium war stets zuverlässig für die akkordische Füllung zuständig. Am Ende spendeten die Zuhörer in der gut zu zwei Dritteln besetzten Kirche lautstark und ausdauernd Beifall.

Das Universitätsorchester unter der Leitung von Ingolf Helm gibt seine Semesterkonzerte am Freitag, 5., und Sonntag, 7. Februar um 20 Uhr in der Uni-Aula am Wilhelmsplatz. Zu hören sind Werke von Humperdinck, Bruch und Tschaikowsky.

Von Michael Schäfer

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