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Unterbelichtet und liebenswert

Puppenspieler René Marik in der Göttinger Stadthalle Unterbelichtet und liebenswert

„Hage. Jemand ZeHage?“ Im Klartext heißt das: „Hause. Jemand zu Hause?“ Fans wissen genau, wer hier lispelnd die Lage sondiert – der „Maulwurfn“. Mit seinem Kult-Wühler, Frosch und Co. hat Puppenspieler René Marik am Mittwoch das Publikum in der nahezu ausverkauften Stadthalle begeistert.

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Schwer verliebt: der Maulwurfn mit seiner Barbe.         

Quelle: Wenzel

Göttingen. Er ist wieder da. Im Dezember 2012 hatte sich René Marik samt Maulwurf und seinen Freunden von der Bühne verabschiedet. Aber der letzte Vorhang war dann doch nicht gefallen. „Er hat mir gefehlt“, lautet Mariks Erklärung. Und deshalb hat er seinen kleinen Wühler wieder aus der Kiste geholt, den Staub von der Nase geputzt, die Stöcke gerichtet und das Fell ausgeschüttelt.

Seit Herbst ist der diplomierte Puppenspieler, Schauspieler und Musiker wieder auf Tour. Mit seinem Programm „ZeHage! Best Of plus X“ bringt er Altbekanntes und neue Nummern auf die Bühne.

Wenn man den „Maulwurfn“ und seine Freunde so in Aktion sieht, versteht man auch, warum sich die Youtube-Gemeinde vor ein paar Jahren in die Figuren verguckt und mit ein paar Millionen Clicks zum Hype erkoren hat. Zentrale Figur ist der Maulwurf, der wahrlich nicht der Hellste ist.

Blind, etwas cholerisch, dauerverliebt und mit einem heftigen Sprechfehler ausgestattet. Und so trifft er auf den egozentrischen Frosch „Falkenhorst“, den prolligen Eisbären „Kalle“, ein weißes Kaninchen, den fiesen Hasskasper und natürlich seine Angebetete, die Barbiepuppe „de Barbe“.

Mal gibt der Wühler den Winnetou, mal Superman. Als „Zage Potte“  wünscht er sich vergeblich „Abe kadabe“ die Barbe herbei. Und als Tourist landet er statt auf Mallorca mitten in Afghanistan. Das Wühltier ist reichlich unterbelichtet und als nimmermüder Antiheld in all den Abenteuern und Katastrophen irgendwo zwischen Eisbergen und dem Mond unterwegs. Aber wohl gerade dafür liebt ihn das Publikum.

Marik zeigt, was sich mit wenig Requisiten, kleinen, in sich abgeschlossenen Geschichten und viel Fantasie machen lässt. Und mit seinen Handpuppen bringt er klare Charaktere auf die Puppentheaterbühne. Der 45-Jährige hält den Minimalismus hoch und mag es dabei anarchisch. Zwischendurch gibt es Filmeinspieler auf der Leinwand zu sehen. Außerdem greift Marik zu E-Gitarre und singt melancholisch-schöne Popsongs.

„Nach drei Jahren Abstinenz mal wieder hinter dem schwarzen Lappen zu stehen und die räudigen Stoffreste nach oben zu halten, das fühlt sich wirklich an wie Zuhause“, sagt Marik. ZeHage eben. Das Publikum bedankt sich mit großem Applaus.

Von Karola Hoffmann

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