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Unterhaltsamer Opernabend – ganz ohne Gesang

Niedersächsische Musiktage Unterhaltsamer Opernabend – ganz ohne Gesang

Total verrückt, dürfte sich mancher gesagt haben. Ein Opernabend ganz ohne Gesang – kann das denn irgendeinen Reiz haben? Fehlt da nicht das, was die Oper überhaupt ausmacht? Doch es ist überhaupt nicht verrückt.

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Elite der deutschen Bläsersolisten: das Albert-Schweitzer-Ensemble mit Moderator Joachim Reiber (2. von links).

Quelle: Tietzek

Das Konzert der Niedersächsischen Musiktage, das am Sonntag vom Albert-Schweitzer-Bläserensemble im Duderstädter Rathaus präsentiert wurde, waren die unterhaltsamsten drei Stunden Musik, die man sich vorstellen kann.

Wie das funktioniert? Es ist ein altes, bewährtes Rezept, das im Zeitalter der beliebigen Reproduzierbarkeit von Musik durch technische Medien aus der Mode gekommen ist. Man nehme die Opernpartitur einschließlich der Gesangsstimmen, reduziere die große Besetzung auf eine für Spieler und Hörer gleichermaßen bequeme Größe (acht Bläser reichen völlig aus) und lasse auf diese Weise die Musik in neuem Gewand auftreten.

„Harmoniemusik“ nannte man dieses Verfahren zu Mozarts Zeiten. Arrangements für diese Besetzung – der Standard sind zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte – waren damals so beliebt, dass Mozart gleich nach der Premiere der „Entführung“ 1782 seinem Vater schrieb: „Bis Sonntag acht tag muß meine Opera auf die harmonie gesezt seyn – sonst kommt mir einer bevor – und hat anstatt meiner den Profit davon.“ Und fügt hinzu: „Sie glauben nicht wie schwer es ist, so was auf die harmonie zu setzen – daß es den blaßinstrumenten eigen ist, und doch dabey nichts von der Wirkung verloren geht.“

Das Duderstädter Programm: ein buntes Bündel schönster Stücke aus Bizets „Carmen“, Mozarts „Così fan tutte“, „Don Giovanni“, „Figaros Hochzeit“ und „Zauberflöte“, ein dickes Bündel Musik aus Webers „Freischütz“, dazu der Furiant aus Smetanas „Verkaufter Braut“ und das Spritzigste aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß. Daraus wurde aber kein Potpourri populärer Beliebigkeiten, sondern ein in sich geschlossener Abend mit rotem Faden. Denn der ausgesprochen unterhaltsam plaudernde Moderator Joachim Reiber machte daraus ein Gesamtkunstwerk, bei dem auch der Geist delikate Nahrung erhielt.

Bleibt noch final zu schwärmen von den Instrumentalisten. Im Albert-Schweitzer-Ensemble ist die Elite der deutschen Bläsersolisten vereint. Den Kern bildet das vor mehr als 25 Jahren gegründete vielfach preisgekrönte Quintett, das sich seit 1989 fallweise zum Oktett (in Duderstadt in einigen Nummern zum Nonett) erweitert. Alle sind hochvirtuose Musiker mit den allerbesten kammermusikalischen Tugenden, dazu mit erstaunlicher Kondition und sprühendem Spielwitz jenseits glatter Routine. Der Jubel war entsprechend.

Von Michael Schäfer

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