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Uraufführung von Jacqueline Fontyns Cellokonzert

Göttinger Symphonie Orchester Uraufführung von Jacqueline Fontyns Cellokonzert

Unbekannte Kompo­nisten­namen auf dem Konzertplakat sind für viele offenbar Anlass zur Skepsis. So waren am Freitag im hinteren Viertel des Parketts der Göttinger Stadthalle etliche Plätze leer geblieben, als das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) dort mit einem ungewöhnlichen Programm antrat.

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Virtuos und konzentriert: Göttinger Symphonie Orchester mit Solist Jan-Filip Tupa und Dirigent Christoph-Mathias Mueller.

Quelle: Schäfer

Doch wer gekommen war, brauchte seinen Mut nicht zu bereuen. Gleich zur Eröffnung gab es eine Uraufführung. Die Komponistin Jacqueline Fontyn, die zu den führenden Vertretern ihrer Zunft in Belgien zählt, hatte dem GSO die erste Aufführung der revidierten – genauer: gestrafften – Fassung ihres 1991 komponierten Cellokonzerts „Colinda“ anver­traut.

Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller machte zunächst das Publikum mit dem Werk anhand klug ausgewählter Hörbeispiele bekannt, um dann in einer sehr konzentrierten, klanglich ausgewogenen Wiedergabe die Reize dieses ausdrucksstarken, farbenreichen, ungemein spannend aufgebauten Werks auszubreiten. Der virtuose Solist Jan-Filip Tupa zeigte sich mit der musikalischen Sprache des Werks bestens vertraut. Der herzliche, lang dauernde Applaus – der auch der anwesenden Komponistin galt – bewies, dass die Zustimmung der Hörer mehr bedeutete als eine bloße Geste der Höflichkeit. Im Herbst soll das Werk auf einer vom GSO mit Tupa eingespielten CD herauskommen.
Kontrastiert wurde diese Uraufführung mit zwei Werken des aus Wien stammenden Komponisten Erich Wolfgang Korngold, der 1957 im amerikanischen Exil gestorben ist. Mit der walzerseligen, harmonisch fein parfümierten Ouvertüre zur Pantomime „Der Schneemann“ führte das GSO die 1910 herausgekommene erstaunliche Talentprobe des Wunderkinds Korngold vor, der diese Musik als Elfjähriger geschrieben hatte. Und mit dem ernsten, ein wenig pathetischen Cellokonzert aus dem Jahr 1946, dessen Solopart ebenfalls Jan-Filip Tupa spielte, war eindrucksvoll zu erleben, wie dieses Talent im Lauf eines wechselvollen Lebens zur Reife gelangt ist. Den Weg Korngolds ins europäische Konzertrepertoire hat übrigens lange Zeit die Geringschätzigkeit behindert, mit der hier über amerikanische Filmmusik geurteilt wurde: Wer in diesem Genre – wie Korngold – Erfolg hat, ist danach offenbar mit einem Makel behaftet.

Schuberts große C-Dur-Symphonie stand am Schluss des Abends. Mueller gestaltete sie mit Leidenschaft, mit weiträumig angelegten Entwicklungen. In vielen ausdrucksstarken Soli zeigten die Instrumentalisten des Orchesters, vor allem die Bläser, ihre hohe Qualifikation. Nebenbei: Die Andante-Einleitung hat Schubert im Zweier-, nicht im Vierertakt notiert. Ob man sie deshalb ein bisschen rascher nehmen sollte? Das lässt sich sicher nicht ein für allemal entscheiden. Eindeutig aber war die Zustimmung des Publikums: In den begeisterten Schlussbeifall mischten sich viele Bravorufe.

Von Michael Schäfer

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