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Urban Priols satirischer Jahresrückblick

„Du darfst Üngülü zu mir sagen“ Urban Priols satirischer Jahresrückblick

Mit viel Schwung, einem Glas Weizenbier und begleitet von viel Applaus kommt Urban Priol auf die Bühne. In seinem satirischen Jahresrückblick „Tilt!“ hat der Kabarettist aus Aschaffenburg am Sonnabend in der ausverkauften Stadthalle auf die vergangenen Monate zurückgeblickt.

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Quelle: HW

Göttingen. Aktueller geht es nicht. Sogar „der durchgeknallte Landrat“ aus Bayern, der 31 Syrer vor das Kanzleramt gekarrt hat und Wolfgang Schäubles erst wenige Stunden alter Vorschlag einer EU-weiten Benzinsteuer zur Finanzierung einer Flüchtlingsabwehr haben es ins Programm geschafft. „In der Garderobe sieht es aus wie im Hobbyraum von der NASA“, verrät Priol. Smartphone, Tablet und Notebook: Er habe alles dabei, „um up to date zu sein“.

Nicht, dass 2015 keine Themen und Inhalte zu bieten hätte. Der Kabarettist kann aus dem Vollen schöpfen. Die Übergriffe auf dem Kölner Domplatz an Silvester, Griechenlandkrise, Maut und Manipulation von Abgaswerten bei VW, Kita- und Lokführer-Streik, FIFA, DFB und deutsche Wurst im Zwielicht, Terroranschläge, Luftangriffe, Ukraine-Krise und der G-7-Gipfel („Trinken und Winken auf Schloss Elmau“) sind nur einige der Themen der ersten Hälfte des Programms. Nach der Pause geht es vor allem um das Thema Flüchtlinge in sämtlichen Schattierungen von Pegida bis zu Brandanschlägen auf Wohnheime, von Waffenlieferungen und IS über Globalisierungsfolgen bis zur Bekämpfung von Fluchtursachen sowie Integration.

Sport, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Der satirische Parforceritt führt durch sämtliche Bereiche. Und Priol tigert dazu mit zu Berge stehenden Haaren auf der Bühne hin und her. Fuchtelnd, gestikulierend, sich krümmend legt er spottend, kopfschüttelnd und mitunter auch wutschraubend sämtliche Finger in alle Wunden – so wie ihn sein Publikum aus Fernsehsendungen wie „Neues aus der Anstalt“ und „Ein Fall fürs All“ kennt und schätzt.

Priol nennt Ross und Reiter, Zahlen, Fakten und Zusammenhänge. Und wenn er seine Wortspielereien betreibt und das politische Personal von Putin über Juncker bis zu Dobrindt und von der Leyen vorführt, bleibt kein Auge trocken. Gerade seine mit wenigen Strichen gezeichneten Parodien sind auf den Punkt. Die Finger zur Raute geformt, die Hüfte steif und die Stimme etwas höher gezogen – fertig ist die Kanzlerin. „Du darfst Üngülü zu mir sagen“ flötet der Franke als „Person of the Year“ Angela Merkel dem „Döner-Putin“ Erdogan entgegen und gerade dabei, ihm knallhart die Stirn zu bieten.

Priol versteht es, von einem Thema zum nächsten zu gleiten und fein tariert zwischen clownesken Pointen und beißender Kritik zu changieren. Das Publikum ist begeistert und nach fast drei Stunden auch etwas erschlagen von all dem Lachen und der Flut an Themen und Inhalten.

Von Karola Hoffmann

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