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Triumph für Chevalier in "Luisa Miller"

Verdi-Oper in Kassel Triumph für Chevalier in "Luisa Miller"

Ein Triumph für Nicole Chevalier in der Titelpartie wie für Mischa Schelomianski als Bösewicht Wurm: Das sind die Glanzlichter der Verdi-Oper „Luisa Miller“, die jetzt in der Staatsoper Premiere hatte. Das Regieteam erntete am Ende allerdings auch laute Buh-Rufe.

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Schlossvogt Wurm (Mischa Schelomianski) bedrängt Luisa Miller (Nicole Chevalier).

Quelle: Klinger

Kassel. Regisseur Dominique Mentha, Bühnenbildner Roland Olbeter und Videodesignerin Esterina Zarrillo zielen auf großformatige Wirkungen. Die Bühne ist dominiert von einem meterhohen, innen beleuchteten Hohlkörper, in dem der intrigante Wurm sitzt und das Geschehen beobachtet, bevor er eingreift. Von diesem kafkaesken Gerät geht etwas unbestimmt Drohendes aus.

Dazu bebildert Zarrillo das Geschehen mit Videos. Zur Ouvertüre öffnen sich, auf einen bühnenbreiten durchsichtigen Vorhang projiziert, aus knospenhaften Anlagen große grüne Blätter. Der Text des Briefes, in dem Luisa ihrer Liebe entsagt, erscheint – ein Menetekel – in großer Schrift an der Wand. Wenn Wurm sein Ränkespiel einfädelt, ringeln sich im Hintergrund übergroße Raupen. Auch der Gifttrunk ist auf filmische Darstellung reduziert: Da fließen aus einer Flasche riesige farbige Schwaden über den Projektionsvorhang. Und als sich die Katastrophe zuspitzt, wird im Video Schlag um Schlag ein Baum gefällt. Zwei Glocken läuten stumm, im Todesmoment flattern unzählige Schmetterlinge empor.

Das ist bisweilen ästhetisch, meist aber ausgesprochen plakativ. Vielfach lenken die bewegten Bilder vom eigentlichen Geschehen ab, vor allem in der Schlussszene. Und häufig erklären sie überdeutlich, was man eh schon weiß. Das wurmt!

Vielleicht hat Regisseur Mentha der vielen Bilder wegen nur wenig für eine lebendige Personenführung gesorgt. Vor allem die Männer wirken merkwürdig antriebslos. Davon hebt sich das anrührende Spiel von Nicole Chevalier ebenso ab wie Mischa Schelomianskis Kriech-Gewandheit, die man rückhaltlos bewundern muss.

Apropos bewundern: Was Nicole Chevalier sängerisch bietet, ist allein schon eine Reise nach Kassel wert. Sie besitzt eine enorme vokale Ausdrucksvielfalt, setzt sich mit ihrer Stimmkraft mühelos gegen ein Orchester-Fortissimo durch, hat auch wunderbar leise Töne und steuert federleichte Staccato-Tupfer bei. Ulrike Schneider (Federica) verfügt über profunde, runde Tiefen, Marta Herman kann als Laura die hohen Qualitäten ihres wohlklingenden, beweglichen Mezzosoprans vorführen.

Unter den Männerrollen ragt der stimmstarke Bass des sängerisch wie darstellerisch gleichermaßen faszinierenden Mischa Schelomianski markant hervor. Ihm steht der Tenor von Bassem Alkhouri (Rodolfo) an Konturenschärfe nicht nach. Schöne Bass-Farben bietet Sebastian Noack als Vater Miller. Dem Bass von Hee Saup Yoon (Walter) fehlt es zum Strahlen allerdings ein wenig an Obertonreichtum.

Dirigentin Anja Bihlmaier arbeitet mit ihrem prächtig disponierten Orchester die dramatischen Steigerungen ebenso fein heraus wie die Momente von Gefahr und Verzweiflung. Sie erhält am Ende den gleichen rückhaltlosen Beifall wie die Solisten und der Chor. Die Buhrufer – gegen die sich gegnerische Bravorufer kaum durchsetzen konnten – waren vom Regiekonzept wohl weniger überzeugt.

Termine: 21. und 25. Dezember, 4., 7., 12., 15. und 21. Januar sowie 10. März und 21. April um 19.30 Uhr im Staatstheater Kassel, Friedrichsplatz. Karten unter Telefon 05 61 / 10 94 222.

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